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Leitartikel 02/2022 – Wir wachsen!

Liebe Jagdaufseherinnen und Jagdaufseher,

Svend Jürgensen, Vorsitzender des BDJV

Svend Jürgensen

das erste Halbjahr ist vergangen, die Folgen von Corona behindern uns mal etwas mehr, aber gefühlt langsam etwas weniger und so will ich dieses Vorwort nutzen, zurückzuschauen, was wir 2022 bisher erreichen konnten.

Sehr erfreulich ist, dass wir größer werden. In Schleswig-Holstein und Bayern konnte ich an den Gründungsversammlungen von zwei Jagdaufseher-Landesverbänden teilnehmen. Beide Landesverbände sind auch schon Mitglieder im BDJV geworden. Mehr darüber könnt ihr in – Der Hegemeister 02-2022 – lesen.

Das ist eine sehr gute Entwicklung. Nur wenn wir auch möglichst flächendeckend in der Bundesrepublik vertreten sind und als politisches Sprachrohr der Jagdaufseher dienen können, werden wir auch Gewicht haben und von maßgeblichen Trägern in der Politik und Wirtschaft wahrgenommen, ernst genommen und gehört werden. Das wir gehört werden, wird in den kommenden Jahren wichtig sein, denn es deuten sich bezogen auf die Jagd- und Waffengesetzgebung sehr deutliche Tendenzen an, die unsere Rechte einschränken.

Es wird womöglich noch einige Zeit dauern, denn die Bürokratiemühlen in Deutschland mahlen meist langsam. Aber genau das hatten die Verbände des Schießwesens auch gedacht und scheinen jetzt sehr überrascht, dass europäische Vorgaben womöglich tatsächlich und unaufhaltsam auch die Bleimunition für den Sportgebrauch erfassen werden. Nur wenige haben sich anscheinend an den Gesetzgebungsvorhaben beteiligt oder wurden dank ihrer Größe gehört und ernst genommen. Und so entsetzt das Ergebnis, dass Bleimunition bis 2025 vollständig verboten wird, insbesondere auch wegen der Alternativlosigkeit im Schießsport.

Das darf uns im Jagd- und Waffenrecht nicht passieren. Außerdem: wenn wir viele sind, dann ist die Wahrscheinlichkeit, Dinge auch wirklich zeitnah umzusetzen, viel größer. Wie sagte meine Großmutter: viele Hände, schnelles Ende. Deshalb ist es gut, wenn wir wachsen. Und wachsen werden wir. Jagdaufseher-Kurse werden wieder planmäßig abgehalten und ich habe mich sehr gefreut, wieder Revierhegemeisterernennungen aus den Ländern Baden-Würtemberg, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen zu unterschreiben. Die Revierhegemeister-Abschlussarbeiten, die ich gelesen habe waren durchweg von sehr guter Qualität. Einen herzlichen Glückwunsch an alle neuen Revierhegemeisterinnen und Revierhegemeister.

Und auch sonst steigt die Qualität des Wissens der Jagdaufseherinnen und Jagdaufseher. Wie ihr in diesem Heft feststellen werdet, haben bereits im vergangenen Jahr drei Revierhegemeister ihr Studium zum „Akademischen Jagdwirt“ an der Boku in Wien begonnen. Viel Erfolg! Ich wünsche Euch einen schönen Sommer mit viel Anblick und Waidmannsheil!

Euer Svend Jürgensen

Leitartikel 01/2022

 

Svend Jürgensen

 

Liebe Mitglieder des BDJV,
das Jahr 2021 liegt hinter uns.

Ich hatte den Eindruck, dass es für die Jagd kein einfaches Jahr war:

  • sich abzeichnende politische Veränderungen, die mit Rufen nach der Verschärfung des Waffenrechts einhergingen;
  • die sich in den ländlichen Gegenden zuspitzende Wolfsthematik und demgegenüber die gleichbleibende Sympathie für die ungehinderte Ausbreitung des Wolfes bei Bewohnern städtischer Lebensräume;
  • die aufgrund von Covid-19 zunehmende Zahl von Wanderern und Radlern in den Jagdrevieren, die neben dem letztjährigen extrem starken Bodenbewuchs die Jagd erschwerten.

 

Schon dank dieser Unannehmlichkeiten gestaltete sich das Jahr 2021 jagdlich teilweise unerfreulich. Dazu gesellte sich Anfang 2022 nun auch noch ein wirklich dramatisches Ereignis: die Ermordung der 2 Polizisten in Kusel durch einen Wilderer, der leider mal ein Jäger war. Letzteres wird nun massiv genutzt, die Stimmung gegen die Jägerschaft unsachlich anzuheizen und legalen Waffenbesitz in Frage zu stellen. Es wird mit Desinformationen, mit bewusst falschen Begrifflichkeiten, Verdrehungen und schlichter Hetze in diesem Zusammenhang gearbeitet.

Bedrückend ist, dass auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen sich dafür hergibt und bereits vor dem Vorfall „Report Mainz“ in einer November-Sendung zu Schieß-Events vollkommen unsachlich über die Möglichkeit berichtete, als Gastschütze auf Schießständen zu schießen. Dabei wurde krampfhaft versucht, einen Zusammenhang mit Amokläufen herzustellen. Nach den abscheulichen Polizisten-Morden sucht „Report-Mainz“ nun auf Internet-Plattformen nach Menschen, die von Jagdunfällen betroffen waren oder von Jägern bedroht wurden. Das beides rein gar nichts miteinander zu tun hat, weil Unfall und Bedrohung sich schon in der rechtlichen Qualität deutlich unterscheiden, ist für Journalisten offenbar unerheblich. Das sind bedenkliche Versuche, uns als Jäger zu kriminalisieren.

Sie könnten zudem als Rechtfertigung von Übergriffen durch Jagdgegner dienen. Es ist also an der Zeit, dass wir genauestens auf mögliche Gesetzgebungsvorhaben achten und diesen Tendenzen gemeinsam entgegen treten. Ich möchte daher an dieser Stelle Euch alle bitten, zu schauen, wie wir in unserem Bereich der Jagdaufseher, aber auch der Jägerschaft, eine Einheit für die Jagd bilden können und in der Jagdpolitik geschlossen, nicht zerstritten und jagdneidisch, in Erscheinung treten. Ich würde daher im Hegemeister gern Raum bieten, dass sich jagdpolitische Organisationen mit ihren Zielen und Hintergründen vorstellen können.

Wenn Ihr Vereine kennt, die sich für die Jagd engagieren, dann ladet sie dazu ein, sich vorzustellen. Der Hegemeister sollte künftig auch ein Forum für die Vernetzung Gleichgesinnter aus den Bereichen Jagd-, Schieß- und Waffenwesen werden. Liebe Freunde, passt auf Euch auf. Die Tätigkeit, die die Polizisten in Kusel ausgeübt haben, ist häufig die von Jagdaufsehern. Gewiss ist das nicht Alltag, aber es zeigt, dass wir nicht nur eine verantwortungsvolle, sondern auch gefahrgeneigte Tätigkeit ausüben.

Waidmannsheil!

Euer Svend Jürgensen

 

Leitartikel 03/2021 – Keine leichten Zeiten

 

Svend Jürgensen, Vorsitzender des BDJV

Svend Jürgensen, Vorsitzender des BDJV

Svend Jürgensen

 

Liebe Mitglieder!

Die neuen Jagdzeiten sind da.

Die Bockjagd ist in Brandenburg und Sachsen ab 16. April, in Niedersachsen sogar ab dem 1. April erlaubt. Wie schön waren doch die Zeiten, als wir uns am 1. Mai auf die Bockjagd freuten und sie am 15. Oktober beendeten und dem Bock und uns eine angemessene Ruhephase gönnten. Aber nun meinen die Waldeigentümer, wir bräuchten den April mit seiner niedrigen Vegetation – Adlerfarn und Traubenkirsche sind noch nicht gewachsen – um mit freier Sicht auf das Wild die gewünschte intensive Bejagung zu beginnen.

An die Bejagung nach Ende Oktober haben wir uns gerade gewöhnt, wenngleich es nicht unumstritten blieb. Zwar konnte die weitere Bejagung der Böcke die Anzahl der Schonzeitvergehen gerade bei Drückjagden vermindern, weil die Verwechslungsgefahr nach dem Abwurf der Stangen sich nicht auswirken konnte. Aber ist es wirklich im Interesse der Waidgerechtigkeit, wenn wir das ungenaue Ansprechen förderten? Den Waldbesitzern kam es jedenfalls zu gute. Alles was sich in den letzten Jahren bei den Jagdzeiten geändert hat, hatte jedenfalls nur ein Ziel: die Aufzucht ökonomisch effektiv nutzbaren Waldes zu sichern.

Es geht nicht um den Wald als ökologisches System, das allen, insbesondere der Umwelt zugute kommen kann und sich deshalb auch mit einem angemessenen Wildbestand verträgt, reguliert und existieren würde. Wald vor Wild – ich sage nein. Der Weg muss vielmehr Wald mit Wild sein. Und nochmals möchte ich klarstellen, dass wir keine Schädlingsbekämpfer sein wollen. Aktuell ist es schwierig, Veränderungen durchzusetzen. Gesetzgebungsverfahren finden zunehmend ohne die Einbeziehung der Fachleute hinter verschlossenen Türen statt. Corona verhindert persönlichen Austausch und sachliche Diskussionen.

Die Geschwindigkeit der Durchsetzung von ständig neuen Verordnungen und Gesetzen ist bemerkenswert. Gesetze werden mit rasendem Tempo und wie mir aus anderen Bereichen berichtet wird ohne ausführliche Konsultation von Experten beschlossen und enthalten immer wieder auch Eingriffe in sachlich damit nicht verbundene Regelungsmaterien. Große Schritte scheinen daher für uns nicht sinnvoll. Vieles gestaltet sich kleinteiliger. Kleine, aber sichere Schritte sind gefragt. Wer sich Unmögliches vornimmt ist womöglich zum Scheitern verurteilt. Gleichzeitig ergeben sich auch in der Jagdbranche erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen.

So berichtete mir gerade ein Händler, dass ihm etwa 300 Jungjäger als Kunden fehlen. Die wirtschaftlichen Schäden sind noch nicht absehbar, aber werden erheblich sein. Der Jägernachwuchs ist auf die Warteposition gedrängt, denn viele Jägerschaften können mangels hinreichender Erfahrung mit Online-Unterricht nicht ausbilden. Auch diese Auswirkungen werden sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Die Gesamtsituation ist nicht leicht für das Jagdwesen. Und in solchen Krisen gibt es nur einen Weg, der uns sichert als Interessenverband wahr- und ernstgenommen zu werden und um unsere Mitgliedsverbände angemessen unterstützen zu können: zusammenhalten, konstruktiv diskutieren und sachlich kritisieren.

Alles andere führt zu einer Grüppchenbildung und Selbstzerfleischung eines Verbandes, die es in einer Krise zu vermeiden gilt. Krisen sind die Zeiten derjenigen, die spalten wollen, sie sind manchmal die Chance der Profilneurotiker, die hoffen, die Irrungen und Wirrungen für eigene Interessen nutzen zu können. In Zeiten der Krise gilt es, denjenigen, die durch unsachliche Äußerungen den Zusammenhalt gefährden, entgegenzutreten und sich auf die wesentlichen Aufgaben zu konzentrieren.

Persönliche Angriffe sind keinesfalls geeignet, die anstehenden Aufgaben zu lösen. Kritik ist wichtig, sie gehört zu jedem funktionierenden System, aber sie muss ehrlich sein und dazu gehört vor allem, dass sie nicht Selbstzweck ist und erst durch verdrehte Tatsachendarstellungen versucht Kritikpunkte zu konstruieren, die in Wirklichkeit nicht existieren. Niemand benötigt Effekthascher a la Trump, die mit Fakenews und der Hoffnung möglichst dümmliche Zuhörer in großer Zahl als Unterstützer zu finden kurzfristige, aber wenig nachhaltige Siege erringen.

Bleibt gesund und Waidmannsheil!

Euer Svend Jürgensen