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Leitartikel 02/2022 – Wir wachsen!

Liebe Jagdaufseherinnen und Jagdaufseher,

Svend Jürgensen, Vorsitzender des BDJV

Svend Jürgensen

das erste Halbjahr ist vergangen, die Folgen von Corona behindern uns mal etwas mehr, aber gefühlt langsam etwas weniger und so will ich dieses Vorwort nutzen, zurückzuschauen, was wir 2022 bisher erreichen konnten.

Sehr erfreulich ist, dass wir größer werden. In Schleswig-Holstein und Bayern konnte ich an den Gründungsversammlungen von zwei Jagdaufseher-Landesverbänden teilnehmen. Beide Landesverbände sind auch schon Mitglieder im BDJV geworden. Mehr darüber könnt ihr in – Der Hegemeister 02-2022 – lesen.

Das ist eine sehr gute Entwicklung. Nur wenn wir auch möglichst flächendeckend in der Bundesrepublik vertreten sind und als politisches Sprachrohr der Jagdaufseher dienen können, werden wir auch Gewicht haben und von maßgeblichen Trägern in der Politik und Wirtschaft wahrgenommen, ernst genommen und gehört werden. Das wir gehört werden, wird in den kommenden Jahren wichtig sein, denn es deuten sich bezogen auf die Jagd- und Waffengesetzgebung sehr deutliche Tendenzen an, die unsere Rechte einschränken.

Es wird womöglich noch einige Zeit dauern, denn die Bürokratiemühlen in Deutschland mahlen meist langsam. Aber genau das hatten die Verbände des Schießwesens auch gedacht und scheinen jetzt sehr überrascht, dass europäische Vorgaben womöglich tatsächlich und unaufhaltsam auch die Bleimunition für den Sportgebrauch erfassen werden. Nur wenige haben sich anscheinend an den Gesetzgebungsvorhaben beteiligt oder wurden dank ihrer Größe gehört und ernst genommen. Und so entsetzt das Ergebnis, dass Bleimunition bis 2025 vollständig verboten wird, insbesondere auch wegen der Alternativlosigkeit im Schießsport.

Das darf uns im Jagd- und Waffenrecht nicht passieren. Außerdem: wenn wir viele sind, dann ist die Wahrscheinlichkeit, Dinge auch wirklich zeitnah umzusetzen, viel größer. Wie sagte meine Großmutter: viele Hände, schnelles Ende. Deshalb ist es gut, wenn wir wachsen. Und wachsen werden wir. Jagdaufseher-Kurse werden wieder planmäßig abgehalten und ich habe mich sehr gefreut, wieder Revierhegemeisterernennungen aus den Ländern Baden-Würtemberg, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen zu unterschreiben. Die Revierhegemeister-Abschlussarbeiten, die ich gelesen habe waren durchweg von sehr guter Qualität. Einen herzlichen Glückwunsch an alle neuen Revierhegemeisterinnen und Revierhegemeister.

Und auch sonst steigt die Qualität des Wissens der Jagdaufseherinnen und Jagdaufseher. Wie ihr in diesem Heft feststellen werdet, haben bereits im vergangenen Jahr drei Revierhegemeister ihr Studium zum „Akademischen Jagdwirt“ an der Boku in Wien begonnen. Viel Erfolg! Ich wünsche Euch einen schönen Sommer mit viel Anblick und Waidmannsheil!

Euer Svend Jürgensen

Mitglieder- und Jahreshauptversammlung des BDJV 2022

Autor: Michel Lauer

Die diesjährige Jahreshauptversammlung fand in Lambrecht in der Pfalz statt. Als Tagungsort hatte Peter Seelmann, 1. Vorsitzender der Jagdaufseher Rheinland-Pfalz, die Pfalzakademie ausgewählt. Die Akademie war bestens geeignet und auch das Wetter war sehr angenehm. Die meisten Mitglieder reisten bereits Freitagabend an. Das gemeinsame Abendessen und der anschließende Abendausklang auf der Terrasse der Akademie waren sehr harmonisch und von angeregten Diskussionen begleitet. Die Versammlung wurde eröffnet mit einem Sektempfang und musikalisch begleitet durch die Jagdhornbläsergruppe Bad Dürkheim – Neustadt. 

Der Bläserobmann Rudi Becker und seine Bläsergruppe stimmten die Versammlungsteilnehmer auf der Terrasse mit verschiedenen gut dargebotenen Stücken auf einen jagdlichen Tag ein. Anwesend waren der Vorstand, ein Einzelmitglied aus dem Saarland sowie die Mitgliedsverbände mit Ausnahme der Jagdaufseher aus Mecklenburg-Vorpommern. Neben dem Vorstand aus Rheinland-Pfalz waren auch einige interessierte Mitglieder des Verbandes vor Ort. Im Tagungsraum begrüßte Peter Seelmann herzlich alle Anwesenden im Namen des Jagdaufseher Verbandes Rheinland Pfalz. Untermalt wurde die Begrüßungsrede mit einem filmischen Beitrag seines Schriftführers Wolfgang Steffen, der den Teilnehmenden in einer Bildershow die schönsten Seiten von Rheinland-Pfalz gelungen darstellte. 

Der erste Vorsitzende Svend Jürgensen eröffnete den offiziellen Teil der Jahreshauptversammlung und erläuterte anschließend die Problematik der vergangen zwei Corona-Jahre für die Verbandsarbeit. Weiter berichtete er über das Engagement des BDJV auf Veranstaltungen von bundesweiter Bedeutung wie den Jagdrechtstagen. Dieses Engagement soll weiter ausgebaut werden. Die Kassenprüfung am Morgen desselben Tages war laut der beiden Kassenprüfer hervorragend vorbereitet und ohne Beanstandung wurde die Entlastung des Schatzmeisters und Vorstandes beschlossen. Turnusgemäß standen alle Vorstandsposten, mit Ausnahme des Schriftführers, zur Neuwahl an. Nach einer kurzen Diskussion über die Stimmgewichtung der Einzelmitglieder im Verhältnis zur Stimmgewichtung großer Verbände, wie z.B. des VJN Niedersachsen, einigte man sich auf eine Überarbeitung der Satzung im Kalenderjahr 2022. Der Beschluss der Satzungsänderung soll auf der Jahreshauptversammlung 2023 gefasst werden. 

Die Wahlleitung übernahm Romina Wagner, 1. Vorsitzende des Bayrischen Natur- und Jagdschutzverbands. Der bisherige Vorstand stellte sich zur Wiederwahl, Sibylle Erbut stellte sich ebenfalls zur Wahl der 3. Vorsitzenden auf. Der Vorstand wurde bis auf den Schatzmeister in geheimer Wahl gewählt.   Nach den Wahlen wurde die Rahmenausbildungsordnung zum Revierhegemeister diskutiert. Frau Sibylle Erbut erläuterte die in ihren Augen bestehende Problematik durch private Anbieter von Modulen, die inhaltsgleich zu Modulen des Revierhegemeister seien. Diese Ausbildung solle ausschließlich in den Händen der angeschlossenen Landesverbände liegen. 

Nach ausführlicher Debatte wurden einige Änderungen beschlossen. Die neue Rahmenausbildungsordnung wird nach ihrer Überarbeitung auf der Website unter www.bdjv.de/ausbildung zu finden sein. Folgende Änderungen wurden beschlossen: 

* Die Revierhegemeisterausbildung wird ausschließlich von den Jagdaufseher-Mitgliedsverbänden des BDJV durchgeführt. 
* Fortbildungsnachweise für die Revierhegemeisterausbildung anderer Institutionen (Jagdschulen etc.) können anerkannt werden. 
* Die Ausbildung zum Revierhegemeister darf ausschließlich in Präsenz stattfinden. 
* Die Revierhegemeisterurkunde soll bundesweit inhaltlich gleich sein, beurkundet durch Unterschrift der/s jeweiligen Landesvorsitzenden/ sowie der/des Bundesvorsitzenden. 
* Weiterhin werden Vorträge von Referenten als Module für die Revierhegemeisterausbildung des jeweiligen Referenten anerkannt. 

Nach einer kurzen und leckeren Mittagspause wurde die Versammlung fortgesetzt. Durch das Thema Engagement in den sozialen Medien führte die Referentin für Öffentlichkeitsarbeit Carolin Schmiech, VJN Niedersachsen, gelernte Verlagskauffrau Zeitungen&Zeitschriften mit abgeschlossenem berufsbegleitendem Studium im Marketing. Die sozialen Medien haben in den letzten Jahren an Wichtigkeit gewonnen, sei es im Rahmen der Mitgliedergewinnung oder Außendarstellung. Alle Mitgliedsverbände wurden aufgefordert, diesen Schritt zu gehen. Der BDJV betreibt einen Instagram Account unter dem Namen BDJV e.V. und ist dort seit mehreren Wochen aktiv. 

Das Feedback ist positiv führte auch schon zu Lehrgangsanfragen. Ein Auftritt in den sozialen Medien ist auch mit einem Risiko verbunden, da die Pflege solcher Seiten sehr aufwendig sein kann. Für eine zukünftige positive Wahrnehmung der Jagdaufseher sei sie aber unverzichtbar, so Schmiech. Bei Fragen der Mitgliedsverbände rund um Social Media steht Carolin Schmiech als Ansprechpartnerin jederzeit zur Verfügung. Kontakt: Carolin Schmiech, Mail: kommunikation@bdjv.de Die Tagesordnungspunkte zu Satzungsänderungsvorschlägen wurden kurz vorgestellt und werden im erweiterten Vorstand unter Leitung des Schriftführers bis zur nächsten Jahreshauptversammlung ausgearbeitet. Frau Sibylle Erbut legt im nächsten Jahr ihre Vorstandstätigkeiten im VJN Niedersachsen   nieder, damit verbunden ist auch eine Niederlegung des Amts als Redakteurin des Hegemeisters verbunden. Carolin Schmiech hat sich bereit erklärt, die Redaktion ab Frühjahr 2023 zu übernehmen. 

Dies wurde einstimmig von der Versammlung begrüßt. Um das hohe Niveau des Hegemeisters zu halten und zukünftig sicherzustellen, planen Frau Erbut und Frau Schmiech die letzte Ausgabe in 2022 gemeinsam redaktionell zu begleiten. In ihrer redaktionellen Arbeit für den Hegemeister leistete Sibylle Erbut in den letzten Jahren einen nicht zu ersetzenden Beitrag. Als Wertschätzung und Dank für Ihren Einsatz und ihre Leistungen überraschte der Vorsitzende Svend Jürgensen sie mit einem Dankeschön. Begleitend zu einer Dankesrede wurden ein naturnah gehaltener Blumenstrauß und ein zerlegbares Bestecktaschenmesser überreicht, damit Sibylle auch in Zukunft in allen Situationen das richtige Handwerkszeug griffbereit hat. 

Die Versammlung bedankte sich bei Frau Erbut mit einem langen Applaus und Glückwünschen. Zum 2. Kassenprüfer wurde der Schatzmeister des Bayrischen Natur- und Jagdschutzverbandes Maximilian Külle gewählt. Weiter wurde beschlossen, den Effektenbereich auf der Website des BDJV zu aktualisieren. Nach kurzer Diskussion beschloss die Versammlung eine Teilnahme des BDJV an der Jagd&Hund im Januar 2023, sofern dies aus finanzieller Sicht tragbar sei. Der Beschluss dazu soll im erweiterten Vorstand des BDJV nach Klärung der Stand- und Personalkosten gefällt werden. 

Der Ort der Mitgliederversammlung wird zukünftig in Mitteldeutschland nähe Fulda sein, um die Anreise für alle Mitgliedsverbände ungefähr gleich zu verteilen. Die Mitgliederversammlung findet am Samstag, den 27. Mai 2023 statt, der genaue Tagungsort wird mit der Einladung bekannt gegeben.. Der Vorsitzende Svend Jürgensen schloss die Versammlung in Anbetracht der Uhrzeit mit einer kurzen und präzisen Danksagung an alle Beteiligten und machte Hoffnung, den BDJV zukünftig bundespolitisch voranzubringen. Die Bedeutung des Bundesverbandes der deutschen Jagdaufseher müsse nach einer Coronabedingten Zwangspause auf Bundesebene vorangetrieben werden und als Interessenvertretung der Jagdaufseher verstärkt wahrgenommen werden.

Nach einer langen und arbeitsreichen Versammlung machten sich einige Teilnehmer auf die teils sehr weite Heimfahrt. Im kleinen Kreis klang der Abend harmonisch und entspannt aus, die letzten Teilnehmer begrüßten noch die aufgehende Sonne, bevor es auch sie ins Bett verschlug. 

Nach einem gemeinsamen Frühstück und einer herzlichen Verabschiedung machte sich jeder auf den Weg in sein Heimatbundesland. Der Vorstand bedankt sich an dieser Stelle noch einmal herzlich bei Herrn Peter Seelmann für die Wahl des Tagungsortes und die hervorragende Organisation der Veranstaltung sowie das bunte Rahmenprogramm. 

Mit Waidmannsheil Michel Lauer, Schriftführer BDJV 

1. Vorsitzender Natur- und Wildtierschutzverband Hessen

Bayerischen Natur und Jagdschutzverbandes „BNJV“ gegründet

 

Bayerischen Natur und Jagdschutzverbandes „BNJV“ gegründet

Bayerischen Natur und Jagdschutzverbandes „BNJV“ gegründet

Bei gutem Wetter trafen sich die Teilnehmer der Gründungsversammlung auf der Burg Waischenfeld im Herzen der Fränkischen Schweiz um die Gründung des „Bayerischen Natur und Jagdschutzverbandes“ zu beschließen. Ebenfalls anwesend war der BDJV Vorsitzende, Svend Jürgensen, der so freundlich war, den Dachverband und verschiedene Aktivitäten zu erörtern.

Die Teilnehmer der Versammlung wollten ganz bewusst eine Alternative zu den Bayerischen Jagd und Jagdaufseherverbänden schaffen, da gerade die Weiterbildung sowie der Meinungsaustausch hier oft zu Wünschen übrig lassen und gerade in der heutigen Zeit der Blick über den sprichwörtlichen Tellerrand wichtiger denn je ist. Im Saal der Burg Waischenfeld, die auch Sitz des Jagdzentrum Oberfranken ist, ging es um 18:30 Uhran die Versammlung. Nach der Begrüßung und den Worten des Bundesvorsitzenden ging es an die Verlesung der Satzung, die den Teilnehmern bereits im Vorfeld zugestellt wurde.

Nach einigen kurzen Erläuterungen wurde diese dann in der vorgestellten Form beschlossen und mit der Unterzeichnung des Satzungsprotokolles war der Verband aus der Taufe gehoben. Auch die Wahl des Vorstandes verlief zügig und der Vorstand wurde einstimmig gewählt. 1. Vorsitzende: Romina Wagner 2. Vorsitzender: Alexander Becker Schatzmeister: Maximilian Külle Schriftführer: Hendrik Marks

Nachdem dieser erste Schritt getan ist, gilt es noch den bürokratischen Weg zu gehen und die nötigen Schritte zu absolvieren. Danach kann es losgehen und wir freuen uns, viele Fachleute und ein engagiertes Team als Gründungsmitglieder zu haben, die etwas bewegen wollen.

v.l.: Hund Troll, Schatzmeister: Maximilian Külle, Vorsitzende: Romina Wagner Stellv. Vorsitzender: Alexander Becker, Schriftführer: Hendrik Marks

v.l.: Hund Troll, Schatzmeister: Maximilian Külle, Vorsitzende: Romina Wagner
Stellv. Vorsitzender: Alexander Becker, Schriftführer: Hendrik Marks


Vorstand des Bayerischen Natur und Jagdschutzverbandes „BNJV“
1. Vorstand
Romina Wagner
Zum Senftenberg 15
96155 Buttenheim
Romina@event-in-motion.de
0170 – 61 09 212

2. Vorstand
Alexander Becker
Sieglindestraße 96
95445 Bayreuth
Jagdzentrum_Oberfranken@web.de
0157 – 3580 8362

Schatzmeister
Maximilian Külle
Weinbergstraße 3
96148 Dorgendorf
maximilian@kuelle.net
0176 – 21559525

Schriftführer
Hendrik Marks
Stechendorf 42
96142 Hollfeld
hendrikmarks.jagd@gmx.de
0171 – 47 85 969

Wildbrethygiene bei Bewegungsjagden auf Schalenwild

Abschlussarbeit Revierhegemeister von Bernhard Züwerink

Wildbrethygiene bei Bewegungsjagden auf Schalenwild

Wildfleisch erfreut sich beim Verbraucher großer Beliebtheit, weil es häufig über kurze Wege frisch auf den Tisch gelangt. Im Gegensatz zu dem Fleisch landwirtschaftlicher Nutztiere wird dieses Lebensmittel überwiegend von Jägerinnen und Jägern gewonnen, die hierzu speziell ausgebildet sind. Im modernen Verständnis besteht die einzige Legitimation für die Jagd auf wildlebende Tiere in ihrer Nutzung, also in der Bereitstellung natürlich gewachsener Produkte für den sinnvollen Gebrauch durch den Menschen.

Gleichzeitig stellt die Gewinnung von Lebensmitteln den in § 4 Abs. 1 des Tierschutzgesetzes geforderten „vernünftigen Grund“ zur Tötung eines Wirbeltieres dar. Die Erbringung von hygienisch einwandfreiem Wildbret ist daher ein wichtiger Aspekt bei der Bejagung von Wild im Rahmen von Bewegungsjagden. Die gestiegenen Ansprüche der Verbraucher und nicht zuletzt die seit dem 1. Januar 2006 geltenden EU-Verordnungen, des so genannten Lebensmittelhygienepakets, haben die Anforderungen an die Gewinnung und Behandlung von Wildfleisch erhöht. Die Wildbrethygiene beginnt bereits bei der Beobachtung des zu erlegenden Stückes.

Ab diesem Zeitpunkt trägt der Jäger die Verantwortung für das für den menschlichen Verzehr bestimmte Lebensmittel. Die zu erwartende Wildfleischqualität hängt im Wesentlichen von der Jagdmethode und dementsprechend vom anfänglichen Keimgehalt der Körperoberfläche, vom Sitz des Schusses und vor allem von der Hygiene beim Aufbrechen sowie der Zeit zwischen Erlegen und Aufbrechen ab. Der anfängliche Keimgehalt bei auf Bewegungsjagden erlegten Stücken ist tendenziell deutlich höher als bei auf Einzeljagden erlegten Stücken.

Die Ursachen sind in erster Linie auf schlechtere Erlegungsumstände sowie eine verspätete und unsachgemäße Versorgung des Wildes zurückzuführen. Was ist zu tun, damit dennoch ein qualitativ hochwertiges Wildfleisch gewonnen werden kann, und wie ist eine Bewegungsjagd unter wildbrethygienischen Gesichtspunkten zu organisieren?

Wildbret als Lebensmittel

Wildbret wird als qualitativ hochwertiges Naturprodukt angesehen, da es von Tieren stammt, die in freier Wildbahn nahezu uneingeschränkte Bewegungsfreiheit und die Möglichkeit der individuellen Nahrungsselektion hatten, was für die Aromabildung und Zusammensetzung des Fleisches bedeutsam ist. Für den Konsumenten sind es zuerst die unmittelbaren Wahrnehmungen, wie Geruch, Geschmack, Zartheit und Farbe, die das Wildfleisch als Lebensmittel appetitlich machen. Der Geruch des Wildbrets ist zwar für jede Wildart verschieden, aber sehr dezent und artspezifisch typisch. Bezüglich der Fleischfarbe unterscheidet sich das Schalenwild von den Schlachttieren dadurch, dass es kräftig rot bis sehr dunkel ist. Zudem ist es in der Faser zarter als das der landwirtschaftlichen Nutztiere und feinaromatisch im Geschmack.

Linke Körperseitenansicht des Rehbocks mit Zehner-Ringeinteilung Quelle: DEUTZ, 2012, S. 33.

Linke Körperseitenansicht des Rehbocks mit Zehner-Ringeinteilung
Quelle: DEUTZ, 2012, S. 33.

Der ernährungsphysiologische Wert des Wildfleisches wird durch seinen hohen Eiweißgehalt (21-23 %), den geringen Fettanteil (1- 8 %) und hohe Mineralstoff- und Vitaminwerte bestimmt. Aufgrund des geringen Fettanteils wird es bevorzugt in Diätküchen herangezogen. Hinsichtlich des ethischen und ökologischen Wertes ist es dem Fleisch von Schlachttieren weit überlegen, da Art der Tierhaltung, Fütterung, Transport und Schlachtung bei Wildtieren aus freier Wildbahn von untergeordneter Bedeutung sind. Noch liegt der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch an Wildbret in Deutschland unter einem Kilogramm, er steigt aber kontinuierlich an. Demgegenüber steht ein Gesamtfleischverbrauch pro Kopf von 56,4 kg in 1998 und 49,5 kg in 2018 (Quelle: Statistisches Bundesamt, Thünen-Institut, BLE).

Das Jahresaufkommen von Wildbret in Deutschland lag im Jagdjahr 2016/2017 bei 60.963 Tonnen, dieser Wert bezieht sich auf das Rohaufkommen in der Decke und Schwarte. Mit 23.093 Tonnen macht das Schwarzwild den Großteil des Wildbretaufkommens aus, gefolgt von Rehwild 12.738t, Rotwild 4874t und dem Damwild 2.131t (DJV, 2018). Bei der Beurteilung des tatsächlichen Verzehrs von Wildbret ist zu berücksichtigen, dass ein hoher Anteil des Wildbrets inländischen Ursprungs direkt vom Jäger an den Endverbraucher abgegeben wird und somit nicht erfasst werden kann.

Die Bewegungsjagd als Jagdmethode und ihre Wirkung auf das Wildbret

Die Jagdausübung auf Schalenwild in Gesellschaft kann in unterschiedlichen Formen erfolgen, die nicht zuletzt historisch gewachsen sind. Für sie alle wird heute der Oberbegriff „Bewegungsjagd“ verwendet. Darunter versteht man eine vorzugsweise revierübergreifende Jagd auf Schalenwild bei optimierter Verteilung fester Schützenstände auf gesamter Fläche und ausdauerndem „Anrühren“ des Wildes mit Hunden und Treibern. Die Bewegungsjagd ist eine zeitgemäße, wildbiologisch orientierte und effiziente Jagdmethode, bei der an einem Jagdtag eine größere Menge an Wild erlegt werden soll.

 

#Da der Schalenwildabschuss in größeren Revieren auch mit professioneller Betreuung durch Forst- oder Jagdpersonal kaum noch auf der Einzeljagd zu bewältigen ist, soll durch diese Jagdmethode ein wesentlicher Teil des Abschusses planmäßig, selektiv und tierschutzgerecht erfüllt werden. Die beste Zeit für die Durchführung einer Bewegungsjagd ist der Herbst. Nach dem Laubfall kann anwechselndes Wild auf weitere Entfernung bereits früh gesehen und sicherer angesprochen und erlegt werden. Bewegungsjagden finden in der Regel in Form einer Treib-, Stöber-, Drück- oder Ansitzdrückjagd statt.

Bei der Treibjagd wird das Wild mit Hilfe einer großen Anzahl von Treibern hochgemacht und in Bewegung gesetzt, damit es von den Schützen erlegt werden kann. Diese Jagdform erzeugt von den Bewegungsjagden den größten Druck und die größte Beunruhigung des Wildes. Wird nur mit Hunden gejagt, dann handelt es sich um eine Stöberjagd. Gefundenes Wild soll der stöbernde Hund auf der Spur jagen, bis es die Deckung verlassen muss und beschossen werden kann. Bei Stöberjagden sollten ausschließlich spurlaute und solo jagende Hunde eingesetzt werden. Unterschiede zwischen der Drück- und Treibjagd gibt es bei der Art der Durchführung. Bei der Drückjagd werden weniger Treiber eingesetzt, die das Wild ohne viel Lärm im Einstand beunruhigen.

Die Schützen stehen in größeren Abständen an besonders aussichtsreichen Stellen. Von einer Ansitzdrückjagd wird gesprochen, wenn mehrere Jäger im Revier verteilt an den Wildwechseln ansitzen und gleichzeitig das Wild von einigen Treibern (und Hunden bei Schwarzwildaufkommen) rege gemacht wird. Die Bewegungsjagd beinhaltet mehr als die früher meist einseitig als „Gesellschaft auf Schalenwild“ praktizierten Treib-, Stöber-, Drück- oder Ansitzdrückjagden, sondern ist im Idealfall eine zielführende Kombination derselben. Da bei diesen Jagdformen häufig größere Strecken erzielt werden und das erlegte Wild am Ende der Jagd an Teilnehmer oder an Dritte veräußert wird, ist die Wildbrethygiene bei diesen Jagden von besonderer Bedeutung.

Probleme der Wildbrethygiene

Die Jagdmethode hat einen erheblichen Einfluss auf die spätere Wildbretqualität. Der Anfangskeimgehalt der Fleischoberflächen beeinflusst die hygienische Qualität und Lagerfähigkeit von Wildfleisch in hohem Maße. Selbst wenn Wildbret hygienisch einwandfrei gewonnen wurde, ist es an der Fleischoberfläche nie keimfrei. Keimgehalte von 105 Mio. Keime/cmL sind zum Zeitpunkt der Verarbeitung von Wildfleisch „normal“. Die Oberflächenkeimgehalte bei auf Bewegungsjagden erlegten Rehen können anfänglich bereits bei 107 Mio. Keime/cmL liegen, bei auf Einzeljagd erlegten Rehen hingegen nur um 105 Keime/cmL.

In der nachfolgenden Übersicht geben WINKELMAYER und PAULSEN Richtwerte für die Oberflächenkeimgehalte auf Wildfleisch an. Demzufolge ist der Keimgehalt von auf Bewegungsjagden erlegten Rehen bereits als kritisch zu bewerten.

Tabelle: Beurteilung von Wildfleischoberflächen zum Zeitpunkt der Verarbeitung Quelle: PAULSEN, WINKELMAYER, 2004 (verändert nach DEUTZ, 2012, S. 96).

Tabelle: Beurteilung von Wildfleischoberflächen zum Zeitpunkt der Verarbeitung
Quelle: PAULSEN, WINKELMAYER, 2004 (verändert nach DEUTZ, 2012, S. 96).

Der Oberflächenkeimgehalt ist abhängig vom Sitz des Schusses, der Arbeitshygiene beim Aufbrechen, dem Zeitraum zwischen Erlegen und Aufbrechen, sowie dem Zeitpunkt bis zur Kühlung. Nach den Erfahrungswerten verschlechtert sich der Hygienezustand proportional zur Zahl des erlegten Wildes. Gründe sind ungünstige Transportbedingungen, wie das Übereinander Stapeln von nicht ausgekühltem Wild und nicht zuletzt eine geringere persönliche Verantwortung des Jägers in Sachen Wildbrethygiene im Zuge von Bewegungsjagden gegenüber der Einzeljagd.

Bei gutem Schuss, fachgerechtem Aufbrechen und damit niedrigem Ausgangskeimgehalt ist das Wildbret bei 5°C ca. 18 Tage lagerungsfähig, wohingegen Wildbret bei einem hohen Ausgangskeimgehalt bei derselben Temperatur lediglich nur 3 Tage lagerungsfähig ist.

Trefferlage

Nach Untersuchungen von DEUTZ und PLESS ist die Trefferlage erlegter Stücke bei Bewegungsjagden deutlich schlechter im Vergleich zur Einzeljagd. In der nachfolgenden Darstellung wird aufgezeigt, dass bei der Einzeljagd 9 % der erlegten Stücke durch Weichwundschüsse erlegt wurden, der Prozentsatz bei auf Stöberjagden erlegten Stücken lag hingegen bei 30 %.

Quelle: DEUTZ, 2012, S. 34.

Quelle: DEUTZ, 2012, S. 34.

Die optimale Trefferlage für die Erlegung von Wild wird durch den Kammerschuss erreicht. Dabei wird die Lunge, beim Tiefblattschuss auch das Herz getroffen. In beiden Fällen werden große Blutgefäße geöffnet die ein rasches Verenden des Wildes begünstigen.

Je weniger Blut in den Adern und der Muskulatur vorhanden ist, desto günstiger wird die Haltbarkeit des Wildbrets beeinflusst. Weichschüsse sind am hygienisch problematischsten, da sie ins oder durch das Gescheide treffen. Überträgt man den Sitz der Organe auf einen „Scheibenbock“, wird schnell sichtbar, dass sogar bei einem Treffer im 10er-Bereich das Zwerchfell, die Leber und auch der Pansen getroffen werden kann.  Besonders Rehwild ist aufgrund seines lockeren Bindegewebes „schussweich“, d.h., zu starke oder rasante Kaliber verursachen Hämatome und begünstigen den Eintrag von Bakterien. Durch einen Weichschuss werden Bakterien aus dem Magenund Darmbereich in hoher Anzahl in die Blutgefäße eingeschwemmt und innerhalb von Sekunden im noch funktionierenden Kreislauf umverteilt.

In den nachfolgenden Stunden vermehren sich die Bakterien zum Teil explosionsartig, da der Wildkörper zum Zeitpunkt des Erlegens eine Temperatur zwischen 37°C und 40°C aufweist und nur sehr langsam auskühlt. Zu einer mangelnden Fleischreifung kommt es daher häufig bei Bewegungsjagden, wenn das Wild vor dem Erlegen erhöhtem Stress ausgesetzt war, z.B. infolge einer lang andauernden Verfolgung durch jagende Hunde. Das für die Fleischsäuerung benötigte Glykogen wird bei der Flucht rapide abgebaut und steht dann für die Umwandlung in Milchsäure nur noch in geringerer Menge zur Verfügung. Die unvollständige Fleischreifung kann den Verderb von Fleisch und die Vermehrung von Keimen beschleunigen. Wildbret derartiger Stücke ist aus lebensmittelhygienischer Sicht oft nicht verkehrsfähig.

Das Ausmaß des pH-Abfalls wird vorwiegend durch die zum Zeitpunkt des Todes in der Muskulatur vorhandene Glykogenmenge bestimmt, wohingegen die Geschwindigkeit des pHAbfalls weitgehend von der Enzymaktivität im Zellstoffwechsel abhängt. Der Ablauf kann der nachstehenden Darstellung entnommen werden.    

Durchschnittliche pH-Werte im Muskel des Wildes Quelle: PAULSEN, 2012, S. 24

Durchschnittliche pH-Werte im Muskel des Wildes
Quelle: PAULSEN, 2012, S. 24

Die Wildbretstrucktur im oberen Bereich ist hell und glasig, Anzeichen von hohem Stress. Pathogene Keime haben das Wildbret im unteren Bereich schon angefangen zu zersetzen.

Zeitraum Erlegen bis Aufbrechen

Während der Jäger auf der Einzeljagd oft Zeit zum Ansprechen und Erlegen des Wildes hat, und es dann auch relativ schnell versorgen kann, haben Bewegungsjagden andere Voraussetzungen. Das Aufbrechen von auf Bewegungsjagden erlegten Stücken erfolgt deutlich später als bei Stücken, welche auf der Einzeljagd erlegt werden, da die Schützenstände bis zum Ende der Jagd nicht verlassen und die Stücke in dieser Zeit auch nicht aufgebrochen und versorgt werden dürfen. Insbesondere wenn Jäger in der ersten Stunde nach der Standeinnahme Wild erlegen, wird dieses bei einer Jagdlänge von über drei Stunden wildbrethygienische Konsequenzen haben.

Keimbelastung bei Rehwild (in Prozent) nach Verletzungen (bezogen auf jeweils 100<br /> Tiere)<br /> Quelle: verändert nach LENZE, 1977, S. 37-38.

Keimbelastung bei Rehwild (in Prozent) nach Verletzungen (bezogen auf jeweils 100
Tiere)
Quelle: verändert nach LENZE, 1977, S. 37-38.

Die Bedeutung des Faktors Zeit verdeutlichen die in der Abbildung dargestellten Befunde an erlegten Rehen, welche anhand von Muskelproben untersucht wurden. Bei Verletzungen der Bauchorgane, z.B. bei Weichwundschüssen, ist die Keimbelastung bereits bei einer Zeitdauer zwischen Erlegen und Aufbrechen von 30 Minuten sehr hoch und nimmt rasch zu. Aber auch bei reinen Kammerschüssen kommt es zur Ausbreitung von Bakterien im übrigen Wildkörper, da nach dem Tod des Wildes die so genannte Magen-Darm- Barriere zusammenbricht. Der Übergang von Mikroorganismen vom Darm in die Muskulatur erfolgt allerdings wesentlich langsamer als nach direkten Verletzungen des Magen-Darm-Bereiches. Bei einem Aufbrechen nach mehr als zwei Stunden waren keine keimfreien Muskelproben mehr im Untersuchungsmaterial vorhanden. Auch an kühlen Herbst- oder kalten Wintertagen, an denen vorzugsweise eine Bewegungsjagd angesetzt wird, besteht die Gefahr des Verhitzens.

Das liegt daran, dass das Winterhaar stärker isoliert als das Sommerhaar und der von innen nach außen verlaufende Temperaturaustausch deutlich langsamer ist als bei einem Stück im Sommerhaar mit geringerer Fettschicht. Wenn das Wild nach dem Verenden nicht länger als zwei Stunden gelegen hat, ist das Wildbret in der Regel noch nicht verhitzt, da die zur Fleischreifung und stickigen Reifung führenden biochemischen Prozesse erst kurzzeitig angelaufen sind. In ungünstigen Fällen (schweres Wild, durch Stress verursachte höhere Körpertemperatur, starke Sonneneinstrahlung) kann es bereits schon nach 90 Minuten zu einer Verhitzung kommen.

Je mehr Zeit nach dem Verenden verstreicht, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Wildfleisch durch stickige Reifung nicht verzehrfähig ist. „Trotz seiner unterschiedlichen Gewinnung werden an Wildfleisch von den Wildhandelsbetrieben und von den Verbrauchern, aber auch vom Gesetzgeber zunehmend die gleichen Standards hinsichtlich der Sicherheit wie an konventionell gewonnene Lebensmittel angelegt“. Grundsätzlich muss Wildbret, genauso wie andere Lebensmittel auch, sicher sein. Wie aus den vorigen Kapiteln hervorgeht, können bei der Bewegungsjagd allerdings erhebliche Probleme mit der Wildbrethygiene auftreten, die zu Qualitätseinbußen des Wildfleisches führen können. Nachfolgend werden Hinweise gegeben, mit denen die Wildbrethygiene bei Bewegungsjagden verbessert werden kann.

Planung/Durchführung

Eine sorgfältige Planung ist der elementare Bestandteil einer guten Jagdvorbereitung und Grundvoraussetzung für einen reibungslosen Jagdablauf. Der zuständige Organisator („Jagdleiter“) muss sowohl die aktuelle Rechtslage als auch die Belange der Wildbrethygiene bei der Planung berücksichtigen. Von besonderer Bedeutung ist die Auswahl der Schützenstände. Jeder Standplatz muss so gewählt werden, dass vorbeiwechselndes Wild im Bereich eines vernünftigen Schussfeldes, in jedem Falle mit sicherem Kugelfang zu erlegen ist. Bei Bewegungsjagden sollten Stände je nach individueller Fähigkeit des Schützen zugeteilt werden. Es haben sich Jäger bewährt, die Wild schnell und vor allem sicher und korrekt ansprechen und es zu verstehen wissen, dieses dann auch sauber zu erlegen.

Bei der Planung einer Jagd ist das Anfertigen von Standkarten unerlässlich. Darauf können Schützen während der Jagd wichtige Wildbeobachtungen, abgegebene Schüsse oder sonstige Bemerkungen notieren. Die Standkarte nutzt zunächst den Ansteller und später der Jagdleitung zur Koordination und Einteilung der Nachsuchengespanne. Zudem sollten die wichtigsten Verhaltensregeln am Stand nochmals auf der Karte aufgeführt werden. So hat der Jäger die Möglichkeit diese vor Beginn des Treibens nochmals zu verinnerlichen. Weiterhin müssen alle Voraussetzungen getroffen werden, um das erlegte Wild hygienisch einwandfrei versorgen zu können. Es sollten ortsangepasste Lösungen getroffen werden, um die Zeit zwischen Erlegen und Aufbrechen des Wildes möglichst kurz zu halten, z.B. durch kurze, evtl. zeitlich versetzte Treiben oder Aufbrechpausen. Erfahrene Nachsuchengespanne müssen rechtzeitig eingeplant und für den betreffenden Jagdtag zur Verfügung stehen.

Quelle: Eigene Aufnahme beim zerwirken eines Stück Schwarzwild 2017

Quelle: Eigene Aufnahme beim zerwirken eines Stück Schwarzwild 2017

Der Transport zum Aufbrechplatz oder zur Wildkammer sollte so organisiert werden, dass genügend Transportkapazität für das erlegte Schalenwild zur Verfügung steht. Wird das Wild vor Ort aufgebrochen, kann dieses bereits im Vorfeld mit einer entsprechenden Logistik vorbereitet werden. Insbesondere sollten geeignete Vorrichtungen zum Aufbrechen aufgebaut werden, ausreichend Wasser in Trinkqualität beschafft sowie geeignete Arbeitsmittel und Konfiskatbehälter bereitgestellt werden. Wenn kurze Transportwege das Aufbrechen in der Wildkammer erlauben, müssen auch hier die genannten Vorkehrungen getroffen werden. Ob das Wild vom Erleger oder einem Spezialisten (z.B. Metzger) aufgebrochen werden soll, erfordert eine frühzeitige Planung und Organisation. Für die Lagerung und Kühlung der erlegten Stücke müssen geeignete Räumlichkeiten vorhanden sein, die den rechtlichen Anforderungen entsprechen. Wird für den entsprechenden Jagdtag eine größere Menge an Wild erwartet, empfiehlt es sich, rechtzeitig einen Wildbrethändler zu kontaktieren und über den Jagdtermin zu informieren, damit er entsprechend planen kann.

Die Vermarktung über einen gewerblichen Wildbrethändler entbindet den Organisator von den Verpflichtungen zur Trichinenuntersuchung. Sind die Vorbereitungen der Jagd erledigt, ist eine abschließende Besprechung mit allen Beteiligten zwingend erforderlich. Die Jagdleitung kann sich dadurch einen zuverlässigen Überblick darüber verschaffen, ob alle bis dahin notwendigen Aufgaben erbracht sind. Zudem müssen der Jagdablauf detailliert festgelegt und noch ausstehende Aufgaben erledigt werden. Ergibt sich bei der Kontrolle ein außerplanmäßiger Hergang, dann können jetzt noch Nachbesserungen vorgenommen werden. Insbesondere im Bereich der Durchführung von Bewegungsjagden liegt hier eine große Verantwortung vor, um im Sinne einer guten Hygienepraxis zu agieren. Grundsätzlich sollte der Jagdleiter seine Gäste vor dem Beginn der Jagd an die Gebote der Waidgerechtigkeit erinnern und eindringlich zu diszipliniertem Verhalten aufrufen. Hinsichtlich der Wildbretversorgung muss der Jagdleiter den Gästen die notwendigen Vorhaben mitteilen, die im Zuge der Planung getroffen worden sind.

Ansprechen und Erlegen

Die Verantwortung des Jägers als „Lebensmittelunternehmer“ beginnt bereits beim Ansprechen des Wildes vor dem Erlegen. Wildbret gilt nur dann als genusstauglich, wenn es von einem gesunden Stück stammt. Die gesetzliche Vorgabe der Lebenduntersuchung des Wildes ist mit der Schlachttier-untersuchung landwirtschaftlicher Nutztiere vergleichbar. Tierkörper und Organe dürfen ohne Lebenduntersuchung nicht in den Verkehr gebracht werden. Einige krankhafte Veränderungen, die auf Gesundheitsstörungen schließen lassen, können nur am lebenden Stück beobachtet werden.

Auf freigegebenes Schalenwild darf nur geschossen werden, wenn es sicher angesprochen wurde. Die Schussabgabe durch den Jäger hat stets unter den Aspekten der Weidgerechtigkeit und der Wildbrethygiene zu erfolgen. Die hygienische Wildbretgewinnung wird durch einen sauber angetragenen und schnell tödlich wirkenden Schuss gewährleistet. Wichtig ist hierbei, dass der Jäger mit seiner Waffe vertraut ist, über nötige Schießfertigkeiten verfügt und für das betreffende Wild geeignete Munition mit entsprechender Schusswirkung verwendet.

Schlussbetrachtung

Aus der vorliegenden Arbeit geht hervor, dass die Jagdmethode einen deutlichen Einfluss auf die Wildbrethygiene, die Fleischreifung und dementsprechend auf die Qualität des Wildbrets hat. Bewegungsjagden sind effiziente Jagdmethoden, die geeignet sind, um deckungsreiche Reviere zu bewirtschaften oder den durch Einzelabschüsse entstehenden langzeitigen Jagddruck zu senken. Aus fleischhygienischer Sicht weisen sie jedoch gegenüber der Einzeljagd ein erhöhtes Risiko auf. Untersuchungen von DEUTZ und PLESS ergaben, dass bei der Einzeljagd 9 % der Stücke durch Weichwundschüsse erlegt wurden, der Prozentsatz bei auf Bewegungsjagden erlegten Stücken lag bei 30 %. Zudem erfolgt das Aufbrechen bei Einzeljagden vorrangig innerhalb der ersten 30 Minuten nach dem Erlegen, bei Bewegungsjagden hingegen in der Zeit zwischen 120 und 180 Minuten.

Nach Untersuchung von Wildbret aus einer Treibjagd sind bei einem Aufbrechen nach über zwei Stunden keine keimfreien Muskelproben mehr im Untersuchungsmaterial vorhanden. Insbesondere bei Weichwundschüssen ist die Keimbelastung bereits bei einer Zeitdauer zwischen Erlegen und Aufbrechen von 30 Minuten sehr hoch und nimmt rasch zu. Bei Einzeljagden können solche Stücke zeitnah aufgebrochen und versorgt werden. Diese Möglichkeit besteht bei Bewegungsjagden nicht, da die Schützenstände bis zum Ende der Jagd nicht verlassen werden dürfen. Zur Aufrechterhaltung einer hochwertigen Qualität des Wildbrets ist nach 1,5 Stunden eine Aufbrechpause und rasche Versorgung des Wildes notwendig.

Des Weiteren können die Jäger durch ihre Kenntnisse und Handlungen die gesundheitlichen Risiken beim Verzehr von Wildfleisch wesentlich beeinflussen. Aus diesem Grund sollte es zur Pflicht werden, regelmäßige Nachweise über Schussleistungen zu erbringen sowie Aus- und Weiterbildungen zum Thema Wildbrethygiene zu besuchen. Generell ist es den Jagdausübenden möglich, unter Beachtung hygienischer Aspekte, ein qualitativ hochwertiges Lebensmittel zu gewinnen und an den Verbraucher abzugeben. Für die Bewegungsjagd ist es daher von großer Bedeutung, dass die Stücke sicher angesprochen und erlegt sowie hygienisch einwandfrei aufgebrochen, sorgsam transportiert und rasch der Kühlkette zugeführt werden. Abschließend ist zu sagen, dass durch eine detaillierte Planung der Jagd bereits Risiken vermieden bzw. auf ein akzeptables Maß reduziert werden können. Vorrangig sollten weitere Standards entwickelt werden, die ein sorgfältiges und hygienisches Gewinnen und Behandeln des Wildbrets gewährleisten. 

Bernhard Züwerink

Literaturverzeichnis:

DEUTZ, A. (2012):
Wildbrethygiene heute – Beurteilung, Versorgung, Rechtslage. BLV Buchverlag
GmbH & Co. KG, München.

LENZE, W. (1977):
Fleischhygienische Untersuchungen an Rehwild (Einfluss von Gesundheitszustand,
Herkunft, Erlegungs-und Versorgungsmodalitäten auf Keimgehalt und pH-Wert). Diss., Ludwig-Maximilian-Universität, München.

PAULSEN, P. (2012):
Schnelles Wild, schlechtes Wildbret ?, in: Wild und Hund. Heft Nr.
23/2012, S. 28-33.

PEGEL, M., SCHREIBER, W. (2008):
Leitfaden zur hygienischen Gewinnung von Wildbret im Rahmen der
Primärproduktion. Leiter der Wildforschungsstelle und des Amtes für
Veterinärwesen und Verbraucherschutz (Lkr. Schwäbisch Hall), Baden
Württemberg.

SINELL, H.-J. (2004):
Einführung in die Lebensmittelhygiene. 4. Aufl. Parey Verlag, Stuttgart.

Gesetze und Verordnungen:

Tierschutzgesetz (TierSchG), in der Fassung der Bekanntmachung vom 18.05.2006 (BGBl. I S. 1206, 1313), das durch Artikel 1 des Gesetzes vom 04.07.2013 (BGBl. I S. 2182) geändert worden ist.
Verordnung (EG) Nr. 852/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29.04.2004 über Lebensmittelhygiene.
Verordnung (EG) Nr. 853/2004 des Europäischen Parlaments und des
Rates vom 29. April 2004 mit spezifischen Hygienevorschriften für Lebensmittel tierischen Ursprungs.
Verordnung (EG) Nr. 854/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29.04.2004 mit besonderen Verfahrensvorschriften für die amtliche Überwachung von zum menschlichen Verzehr bestimmten Erzeugnissen tierischen Ursprungs.                                

Jagdaufseher Verband Schleswig Holstein „JVSH“ gegründet

 

Jagdaufseher Verband Schleswig Holstein „JVSH“ gegründet

Jagdaufseher Verband Schleswig Holstein
„JVSH“ gegründet

Jäger dürfen sich zu den wenigen „Naturschützern mit staatlicher Prüfung“ und fundierter Ausbildung zählen. Jagdaufseher haben darüber hinaus noch eine weitere jagdliche Zusatzausbildung nebst Prüfung abgelegt und werden nicht erst mit der nachfolgend möglichen Bestätigung durch eine untere Jagdbehörde mit einer hervorgehobenen Verantwortung für den Jagdschutz in den heimischen Jagdrevieren als Fachleute und Fachfrauen betraut.

Die regionalen Jagdaufseher-Verbände in Deutschland, gemeinsam mit dem BDJV (Bundesverband deutscher Jagdaufseherverbände), organisieren die Jagdaufseher und ihre Interessen, bilden aus und regelmäßig weiter. Sie sind wichtiges Bindeglied zu Öffentlichkeit und Politik bei den Themen „Jagd, Natur und Wildschutz“ und engagieren sich für die nachhaltige Zukunft der Jagdaufseher. Alle gemeinsam eint die Leidenschaft für Wild, Natur und die nachhaltige Jagd.

Um eben diese Interessen auch lokal und auf Länderebene in Schleswig-Holstein im „Norden“ zu bündeln und um „vor Ort“ Ansprechpartner zu sein, wurde am 20. März 2022 der JVSH – Jagdaufseher Verband Schleswig-Holstein mit gemeinnütziger Absicht und dem Ziel „e.V.“ zu werden gegründet. Die Gründungsmitglieder haben sich auf „Hof Wiedwisch“ in Kummerfeld bei Pinneberg in passendem Ambiente bei bestem Wetter und mit Einigkeit bei allen Themen getroffen. Unterstützt vom 1. Vorsitzenden des BDJV, Svend Jürgensen, konnte die Satzung beschlossen und der erste Vorstand gewählt werden: 1. Vorsitzender ist Lutz-Felix von Kamlah, 2. Vorsitzender Sven Hardtke, Schatzmeister Bernd Overhoff und zum Schriftführer wurde J. Henrik Matthias gewählt.

Sämtliche Wahlen erfolgten einstimmig. In juristischen Fragen unterstützt Hans-Joachim von Keßinger den neu gegründeten Verband. Als aktives Gründungsmitglied hat Rolf Steinmann zur erfolgreichen Gründung des JVSH beigetragen. Aktuell laufen noch die mit der Gründung verbundenen Formalien. Der JVSH ist sich sicher, kurzfristig auch die Gemeinnützigkeit anerkannt zu bekommen und folgend dann im Vereinsregister eingetragen zu werden.

Der JVSH freut sich nicht nur über „Nordlichter“ als neue Mitglieder und Unterstützer – und ist via E-Mail erreichbar: info@jagdaufseher-sh.de.

 

Vorstand JVSH

1.Vorsitzender
Lutz-Felix von Kamlah
Osterkoppel 5, 25917 Leck
Mobil: 0171/8331999,
E-mail: lutz-felix-von_kamlah@t-online.de

2.Vorsitzender
Sven Hardtke
Karl-Kirststr. 3,
25364 Brande-Hörnerkirchen
Mobil: 0173/6316712

Schatzmeister und Geschäftsstelle
Bernd Overhoff
Uhlenhorst 15
25495 Kummerfeld
Mobil: 0152/27733969

Schriftführer
Jörn Henrik Matthias
Jakob-Ahrens-Str. 17
25462 Rellingen,
Mobil: 0176/20169463

Die Jagd in befriedeten Bezirken

Die Jagd in befriedeten Bezirken
Ist die Institution der Stadtjäger*innen in Baden-Württemberg eine Option für andere Bundesländer?
Autor: Hans-Ulrich Endreß, Landesausbildungsleiter JNWV-BW

2014 wurde in Baden-Württemberg das Landes- und das Bundesjagdgesetz durch das Jagd und Wildtiermanagementgesetz (JWMG) abgelöst und mit Wirkung ab 01.04.2015 als Vollgesetz veröffentlicht [1]. Ein Ziel des JWMG ist, ein besonderes Gewicht auf das Wildtiermanagement zu legen wobei ein Schwerpunkt des Wildtiermanagements das Wildtiermonitoring ist, dessen Ergebnisse im Wildtierbericht (JWMG §44), der alle 3 Jahre erscheint, veröffentlicht werden [2]. Zur Erfassung der Daten wurden unter anderem auch die Funktionen der anerkannten Wildtierschützer*innen (JWMG §48 – Wildtierschutz) und der Wildtierbeauftragten (JWMG §61) eingeführt und mit speziellen Aufgaben betreut.

Eine der Aufgaben der anerkannten Wildtierschützer*innen ist, den öffentlichen Stellen und privaten Personen insbesondere … bei Fragen des Wildtiermonitoring, … des Umgangs mit Wildtieren im Siedlungsraum und bei Unfällen mit Wildtieren als Ansprechpartner [zu] dienen. Mit diesen Regelungen ist das Wildtiermanagement und -monitoring in den bejagbaren Flächen geregelt; offen blieb aber das Wildtiermanagement und -monitoring in den Gebieten, in denen die Jagd ruht (befriedete Bezirke – §13 JWMG)).

Somit war ein flächendeckendes Wildtiermanagement und -monitoring nicht möglich. Im Wildtierbericht 2018 [Anmerkung: es war der erste Wildtierbericht] kam zum Ausdruck, dass Wildtiere zunehmend in städtischen Bereichen vorkommen: „Suburbane und urbane Lebensräume sind für einige Wildtierarten wichtige Lebensräume geworden.“ – „Städte weisen teilweise hohe Biodiversitätslevels auf.“ Der Wildtierbericht [2] verweist dabei auf Forschungsergebnisse der Universität Freiburg, die dieses Thema in drei im Zeitraum 2010 bis 2019 vom Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (MLR – Oberste Jagdbehörde) in Auftrag gegebenen und durch die Jagdabgabe geförderten Projekten bearbeitet hat [3, 4] ..

„Zudem bilden Städte einen Ort mit einem hohen Maß an biologischer Vielfalt, welche meist zur Freude, aber manchmal auch zum Leid der Bevölkerung führen können. Im Rahmen des Forschungsprojektes „Wildtiere im Siedlungsraum Baden-Württembergs“ werden daher das Vorkommen von Wildtieren und auch die Einstellung der Menschen zu Wildtieren beleuchtet, um im Ergebnis eine Strategie zum Umgang mit Wildtieren innerhalb von Siedlungen zu entwickeln.“ [2] – …. und macht den Vorschlag, die Institution der Stadtjäger* innen mit besonderen Rechten zu schaffen: „Vermehrt kommt es zu Konflikten mit Wildtieren in Gebieten, in denen die Jagd nicht ausgeübt werden darf.

Es ist daher empfehlenswert, das Institut einer Stadtjägerin bzw. eines Stadtjägers einzuführen. Sie oder er soll auf Grundflächen einer Kommune, auf denen die Jagd ruht, schnell und situationsangepasst eingreifen können. Stadtjägerinnen und Stadtjäger sollen ebenso berechtigt sein, auf diesen Flächen schwer kranke oder schwer verletzte Tiere, die nicht dem Schutzmanagement unterliegen, zu erlegen.“ [2] Die Forschungsergebnisse wurden 2020 im Handbuch Wildtiermanagement im Siedlungsraum – Ein Handbuch für Kreise und Kommunen in Baden-Württemberg zusammengefasst [5]. Auf Grundlage des Wildtierberichtes 2018 entstand in der Novelle zum JWMG (veröffentlicht 30.06.2020) [6] der sogenannte Stadtjäger-Paragraph JWMG §13a: JWMG §13a: Stadtjägerinnen und Stadtjäger (1)

Die Gemeinde kann Stadtjägerinnen und Stadtjäger, die als solche durch die untere Jagdbehörde anerkannt sind, nach Anhörung der jagdausübungsberechtigten Person und nach Anhörung des Polizeivollzugsdienstes, einsetzen. Stadtjägerinnen und Stadtjäger haben die Aufgabe, Eigentümerinnen, Eigentümer oder Nutzungsberechtigte von befriedeten Bezirken nach § 13 Absatz 2 sowie Flächen im Sinne von § 13 Absatz 3 Nummer 1 bis 5 in Fragen des Wildtiermanagements und der Wildtiere im Sinne dieses Gesetzes in Siedlungsbereichen sowie in Geltungsbereichen von Bebauungsplänen zu beraten und zu unterstützen; sie arbeiten mit den Wildtierbeauftragten im Sinne des § 61 Absatz 1 zusammen. (2) Mit der Anerkennung nach Absatz 1 erteilt die zuständige Jagdbehörde die Erlaubnis, im Rahmen der Einsetzung mit Zustimmung der Eigentümerinnen, Eigentümer oder Nutzungsberechtigten der Grundflächen auf Wildtiere des Nutzungs- und Entwicklungsmanagements die Jagd im befriedeten Bezirk sowie auf Flächen im Sinne von § 13 Absatz 3 Nummer 1 bis 5 auszuüben, sofern präventive Maßnahmen keinen Erfolg versprechen oder soweit dies aus Gründen der Abwehr von Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung oder zur Abwehr von Gefahren durch Tierseuchen erforderlich ist.

Vor Aufnahme der jeweiligen Jagdausübung mit Schusswaffe ist der Polizeivollzugsdienst zu benachrichtigen. Das Aneignungsrecht hat die eingesetzte Stadtjägerin oder der eingesetzte Stadtjäger. Ein gegebenenfalls auf diesen Flächen bestehendes Jagdausübungsrecht wird mit dem Einsatz einer Stadtjägerin oder eines Stadtjägers beschränkt. (3) Als Stadtjägerin oder Stadtjäger kann anerkannt werden, wer einen Jagdschein besitzt, der zur Jagdausübung in der Bundesrepublik Deutschland berechtigt, und eine Ausbildung zur Stadtjägerin oder zum Stadtjäger absolviert hat. Die oberste Jagdbehörde wird ermächtigt, im Einvernehmen mit dem Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration durch Rechtsverordnung nähere Bestimmungen zur Anerkennung und Einsetzung von Stadtjägerinnen und Stadtjägern und zu Art und Umfang der Maßnahmen des Wildtiermanagements und zur Ausübung der Jagd zu treffen. In diesem Stadtjäger-Paragraphen wird geregelt, dass Stadtjägerinnen und Stadtjäger (Jagdschein gültig in Deutschland vorausgesetzt) eine entsprechende Ausbildung absolvieren (siehe DVO, [7]) müssen. Anschließend werden diese von der zuständigen unteren Jagdbehörde als Stadtjäger*innen anerkennt.

Diese Anerkennung gilt in ganz Baden-Württemberg. Gemeinden können dann anerkannte Stadtjäger*innen in ihrer Gemeinde einsetzen und mit der Jagdausübung auf bestimmte Tierarten, in zu definierenden befriedeten Bezirken, unter bestimmten Umständen zu betrauen. Vor der Einsetzung sind die jagdausübungsberechtigte Person und der Polizeivollzugsdienst zu hören. Unberührt bleiben die Regelungen (Verbot) zur Freilassung von Neozoen und bestimmten anderen Tierarten; ansonsten können gefangene Wildtiere entsprechend der Regelungen in §37 JWMG in der freien Natur ausgesetzt werden.

Das Aneignungsrecht wurde neu geregelt und steht den eingesetzten Stadtjäger*innen zu. Es soll nicht verschwiegen werden, dass durch die damit möglicherweise verbundene Beschränkung des Jagdausübungsrechtes zu Konflikten führen kann, die es z.B durch geeignete Formulierungen in den Jagdpachtverträgen (z.B. durch Herausnahme der befriedeten Flächen) zu lösen gilt. Der Hinweis mit den Wildtierbeauftragten zusammenzuarbeiten in Verbindung mit §21 der DVO zur Novelle des JWMG ….

(1) Von den Jagdbehörden angeforderte Berichte über Beobachtungen zu Wildtieren und zu den Verhältnissen im jeweiligen Jagdrevier und Jagdjahr, insbesondere zu Bestand, Lebensraum und Zustand nach § 43 Satz 1 JWMG (Wildtiermonitoringdaten) sind von der jagdausübungsberechtigten Person oder von diesen dazu beauftragten Personen sowie eingesetzten Stadtjägerinnen und Stadtjägern der unteren Jagdbehörde elektronisch über das Wildtierportal [8] gemäß § 14a JWMG zu übermitteln. … schließt die Lücke des Wildtiermanagements und -monitorings in befriedeten Bezirken. Besonderen Wert legt §13a

(2) auf präventive Maßnahmen zur Vermeidung von Wildtierkonflikten, die jeder jagdlichen Tätigkeit vorauszugehen hat und nur unterbleiben kann sofern präventive Maßnahmen keinen Erfolg versprechen oder soweit die Jagdausübung aus Gründen der Abwehr von Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung oder zur Abwehr von Gefahren durch Tierseuchen erforderlich ist. Durch den §13 (4) und (5) JWMG bleibt die bisherige Regelung der Jagd im befriedeten Bezirk, ergänzt um die Bemerkung zu möglicherweise eingesetzten Stadtjäger*innen unberührt: Demnach können … (4) Die untere Jagdbehörde kann Eigentümerinnen, Eigentümern oder Nutzungsberechtigten von Grundflächen, auf denen die Jagd ruht, oder den von ihnen Beauftragten genehmigen, auf Wildkaninchen, Füchse, Steinmarder und andere Wildtierarten des Nutzungs- oder Entwicklungsmanagements die Jagd auszuüben und sich diese anzueignen, wenn sie einen Jagdschein oder im Falle der Beschränkung auf die Fangjagd einen Sachkundenachweis nach § 32 Absatz 4 besitzen. (5)

Die untere Jagdbehörde kann auf Grundflächen, auf denen die Jagd ruht, und soweit für diese Grundflächen keine Stadtjägerin oder kein Stadtjäger nach § 13a eingesetzt wurde, der jagdausübungsberechtigten Person oder einer von dieser beauftragten Person eine bestimmte Jagdausübung unter Beschränkung auf bestimmte Wildtierarten des Nutzungs- oder Entwicklungsmanagements auf eine bestimmte Zeit genehmigen, soweit dies aus Gründen der Abwehr von Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung oder zur Abwehr von Gefahren durch Tierseuchen erforderlich ist. Das Aneignungsrecht hat in diesem Falle diejenige jagdausübungsberechtigte Person, der oder deren Beauftragten die Jagdausübung genehmigt wurde. (6) Krankgeschossene, schwerkranke oder aus sonstigen Gründen schwer verletzte Wildtiere, die auf Grundflächen überwechseln, auf denen die Jagd ruht oder in denen nur eine beschränkte Jagdausübung gestattet ist, oder sich dort befinden, dürfen auch dort bejagt werden. Dies gilt nicht für Gebäude, die zum Aufenthalt von Menschen dienen.

Der jagdausübungsberechtigten Person steht das Aneignungsrecht zu. Die Grundstückseigentümerin oder der Grundstückseigentümer oder die nutzungsberechtigte Person ist unverzüglich zu benachrichtigen; diese Personen sind zur Herausgabe der Wildtiere verpflichtet. Die Novelle des JWMG vom 30.06 2020 wurde durch eine entsprechende Durchführungsverordnung (DVO), die ein Jahr später im 01.07.2021 in Kraft getreten ist, ergänzt und in §19 weitere Details zu den Stadtjäger*innen regelt [7]. § 19 Stadtjägerinnen und Stadtjäger (1) Die Ausbildungslehrgänge zur Stadtjägerin oder zum Stadtjäger im Sinne des § 13a JWMG müssen von der obersten Jagdbehörde anerkannt sein. Die Ausbildung beinhaltet die Vermittlung hinreichender Kenntnisse und praktischer Fertigkeiten, um die Aufgaben rechtskonform und waidgerecht im Sinne von § 8 Absatz 1 JWMG auszuüben.

Die Ausbildung umfasst den Erwerb von Kenntnissen und praktischen Fertigkeiten zu

1. Ökologie von Wildtieren im Siedlungsraum, insbesondere Wildarten, Wildkrankheiten, Lebensweisen, Nahrungsspektren, Verhaltensmustern, Fortpflanzung, Aufzucht der Jungtiere,

2. Kommunikation mit und Beratung von Bürgerinnen und Bürgern, Behörden und weiteren relevanten Gruppen in Fragen des Wildtiermanagements und der Wildtiere im Sinne des JWMG in Siedlungsbereichen sowie in Geltungsbereichen von Bebauungsplänen,

3. Präventions- und Konfliktmanagement im Siedlungsraum sowie die Zusammenarbeit mit von Wildtierkonflikten betroffenen Behörden und anderen öffentlichen Einrichtungen,

4. Gefahren für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung und Konfliktpotentiale durch Wildtiere,

5. Möglichkeiten und Grenzen der Vergrämung und Bejagung, einschließlich Fang und Erlegung,

6. den rechtlichen Grundlagen des Jagdrechts, des Tierschutzrechts, des Artenschutzrechts, des Waffenrechts und des Gefahrenabwehrrechts. (2) Die für die Ausstellung des Jagdscheins zuständige untere Jagdbehörde erkennt eine Person auf Antrag als Stadtjägerin oder Stadtjäger mit landesweiter, unbefristeter Geltung durch Ausstellen eines Ausweises entsprechend der Anlage 4 an, wenn sie einen gültigen Einjahres- oder Dreijahres-jagdschein besitzt und eine Ausbildung zur Stadtjägerin oder zum Stadtjäger nach Absatz 1 erfolgreich absolviert hat.

Hat die antragstellende Person ihren Wohnsitz außerhalb des Landes, ist für die Anerkennung die untere Jagdbehörde zuständig, in deren Zuständigkeitsbereich die Gemeinde fällt, in der die Einsetzung nach Absatz 3 erfolgen soll. Die Person muss die persönliche und fachliche Eignung besitzen. Die Anerkennung muss die aus drückliche Erlaubnis der zuständigen Jagdbehörde zur Jagdausübung im befriedeten Bezirk enthalten. Nach der erstmaligen Anerkennung müssen Stadtjägerinnen und Stadtjäger mindestens alle fünf Jahre an einem Fortbildungslehrgang teilnehmen. Die untere Jagdbehörde versagt oder widerruft die Anerkennung, wenn die Voraussetzungen nach Satz 1, 3 oder 5 nicht oder nicht mehr vorliegen.

Die DVO benennt die Inhalte der Ausbildung der Stadtjäger*innen und legt fest, dass die Ausbildungslehrgänge durch die Oberste Jagdbehörde anerkannt sein müssen und dass Stadtjäger*innen nach erstmaliger Anerkennung mindestens alle 5 Jahre an einem Fortbildungslehrgang teilnehmen müssen. Ferner legt die DVO fest, dass die Stadtjäger*innen in der Lage sein müssen, die Aufgaben rechtskonform, dies sollte selbstverständlich sein, aber auch waidgerecht durchzuführen wobei der Begriff „waidgerecht“ im Sinne des JWMG §8(1) als „gute fachliche Praxis der Jagdausübung“ verstanden werden muss. Die DVO wiederholt die Voraussetzungen zur Anerkennung von Stadtjäger*innen und konkretisiert den Verwaltungsakt der Anerkennung und die Ausstellung eines Ausweises. Im Weiteren findet man in der DVO Konkretisierungen zur Einsetzung anerkannter Stadtjäger*innen hinsichtlich deren Aufgaben. Weitsichtig findet man in der DVO das „berechtigte Interesse der Stadtjäger*innen“ Auskünfte über die Besitzverhältnisse aus dem Grundbuch zu erhalten.

Da die Jagd nur mit Einverständnis des Eigentümers ausgeübt werden darf ist es unerlässlich diese Personen zu benennen. (3) Gemeinden können anerkannte Stadtjägerinnen oder Stadtjäger allgemein oder anlassbezogen nach pflichtgemäßem Ermessen durch Bescheid entsprechend Anlage 5 einsetzen. Die Einsetzung kann zeitlich befristet erfolgen. Der Bescheid nach Satz 1 und dessen inhaltliche Änderung oder Aufhebung ist der unteren Jagdbehörde, in deren Zuständigkeitsbereich die Jagd ausgeübt wird, von der Gemeinde unverzüglich zur Kenntnis zu geben. Die Einsetzung als Stadtjägerin oder Stadtjäger begründet ein berechtigtes Interesse im Sinne des § 12 Absatz 1 der Grundbuchordnung in Bezug auf die maßgeblichen Flächen. Sofern das Jagdrecht auf den maßgeblichen Flächen verpachtet ist, ist die pachtende Person gemäß § 13a Absatz 1 Satz 1 JWMG dazu anzuhören, dass die Einsetzung einer anderen Person als Stadtjägerin oder als Stadtjäger erwogen wird.

Sofern die pachtende Person anerkannte Stadtjägerin oder Stadtjäger ist, soll sie oder er vorrangig eingesetzt werden. (4) Die Jagd mit Schusswaffen darf nur ausgeübt werden, wenn sie bei pflichtgemäßem Ermessen unter Beachtung der guten fachlichen Praxis erforderlich ist und präventive Maßnahmen keinen Erfolg versprechen. Die Benachrichtigung des Polizeivollzugsdienstes nach § 13a Absatz 2 Satz 2 JWMG erfolgt an das Führungs- und Lagezentrum des zuständigen Polizeipräsidiums vor Aufnahme der jeweiligen Jagdausübung mit Schusswaffe. Die Benachrichtigung kann mündlich, fernmündlich oder elektronisch erfolgen. (5) Bei der Jagdausübung im befriedeten Bezirk sind der Ausweis nach Absatz 2, durch den die Anerkennung bescheinigt wird, der Bescheid nach Absatz 3 zur Einsetzung, ein gültiger Einjahres- oder Dreijahresjagdschein sowie ein amtlicher Lichtbildausweis mitzuführen; § 38 des Waffengesetzes bleibt unberührt.

Die DVO wiederholt die Pflicht der Stadtjäger*innen den Polizeivollzugsdienst vor dem Einsatz der Schusswaffe zu informieren. Dies liegt aber eigentlich schon im Eigeninteresse, will man nicht riskieren, einem Sondereinsatzkommando gegenüber zu stehen. Zu bedenken ist hier besonders der Schusswaffeneinsatz in der Nähe von Gebäuden mit Objektschutz. In Zusammenarbeit mit der Obersten Jagdbehörde hat der Jagd – Natur – Wildtierschützerverband Baden-Württemberg e.V. bereits 2017 damit begonnen, „geprüfte Stadtjäger*innen (JWMG)“ nach einer eigenen Ausbildungsordnung auszubilden. In den Jahren bis 2021 wurden nach dieser Ausbildungsordnung etwa 120 „geprüfte Stadtjäger*innen (JWMG)“ ausgebildet.

Die Oberste Jagdbehörde machte diesen „geprüften Stadtjäger*innen (JWMG)“ zur Auflage in einem Zusatzmodul die Prävention zur Vermeidung von Wildtierkonflikten zu vertiefen, wodurch auch diese, vor in-Kraft-treten der DVO zur Novelle des JWMG mit ihren Anforderungen an die Ausbildungsinhalte geschulten Stadtjäger*innen die fachliche Voraussetzung zur Anerkennung durch die Untere Jagdbehörde erlangt haben (Anerkennung der Ausbildung des JNWV-BW durch das MLR unterstellt). Der Jagd – Natur – Wildtierschützerverband Baden-Württemberg e.V. hat inzwischen auf Basis dieser DVO einen Ausbil dungsplan bei der Obersten Jagdbehörde zur Genehmigung eingereicht und rechnet mit der Anerkennung der Ausbildung im März dieses Jahres. Die 30 Teilnehmer des Stadtjäger Kurs 2022 werden bereits nach dieser Ausbildungsordnung geschult.

Die verwaltungstechnischen Voraussetzungen zur Anerkennung und Einsetzung der Stadtjäger*innen sollen bis zu Beginn des Jagdjahres 2022/23 geschaffen sein. Durch die Ausbildung der Stadtjäger*innen vor der Novelle des JWMG und der entsprechenden DVO stehen den Gemeinden bereits jetzt die ersten fachlich geschulten Stadtjäger*innen zur Verfügung, die auf ihre Anerkennung und Einsetzung warten. Mit der Schaffung der Institution der Stadtjägerinnen und Stadtjäger hat Baden-Württemberg eine großen Schritt getan um das Wildtiermanagement flächendeckend zu sichern, die Bevölkerung in Wildtier-Mensch-Konflikten zu beraten, präventive Maßnahmen zur Verhinderung dieser Konflikte und jagdliche Möglichkeiten unter Berücksichtigung des Waffengesetzes verwaltungstechnisch zu vereinfachen. Da in den vergangenen Jahren den Gemeinden aber auch Privatpersonen keine entsprechende Ansprechpartner zur Verfügung standen, haben häufig andere Institutionen diese Aufgabe im teilweisen illegalen Bereich unter Umgehung des Jagdrechts übernommen.

Diese anderen Institutionen werden auch weiterhin in das urbane Wildtiermanagement eingebunden sein wenn es sich um Tierarten handelt, die nicht dem Entwicklungs- oder Nutzungsmanagement des JWMG angehören. Da die Oberste Jagdbehörde ermächtigt ist durch Rechtsverordnung nähere Bestimmungen „zu Art und Umfang der Maßnahmen des Wildtiermanagements und zur Ausübung der Jagd zu treffen“ bleibt abzuwarten, ob sich die Befugnisse und jagdlichen Möglichkeiten der Stadtjäger*innen erweitern. Dies wird um schneller geschehen je schneller Gemeinden die Vorteile von eingesetzten Stadtjäger*innen erkennen und deren Tätigkeit zu schätzen lernen – sowohl verwaltungstechnisch als auch ergebnisorientiert.

Es wäre wünschenswert wenn sich in den Gemeinden und Landkreisen Strukturen aus mehreren Institutionen, jeder mit seinen Fähigkeiten aber auch beschränkt auf diese, etablieren, die am runden Tisch möglichst präventiv Lösungswege für Wildtier-Mensch-Konflikte aufzeigen und mittel- oder langfristig vermeiden und somit die heutige Situation, dass Konflikte meist nur jagdlich gelöst werden, ablösen. Den Wildtierbeauftragten der Landratsämter kann in diesem Zusammenhang eine besondere, koordinierende Funktion zu Teil werden. Bürgerinnen und Bürger haben jedenfalls in den eingesetzten Stadtjäger*innen kompetente Ansprechpartner*innen, die sich ihrer Bedenken und Probleme, präventiv oder mit jagdlichen Möglichkeiten, annehmen. Zu vermitteln ist dabei den Betroffenen, dass Tierschutz und Naturschutz über den eigenen Empfindlichkeiten stehen und dass urbanes Wildtiermanagement nur unter Beachtung des JWMG erfolgen kann. Im nächsten Hegemeister soll auf die Regelungen zur Jagd in befriedeten Bezirken in anderen Bundesländern eingegangen werden was ggf. zur Beantwortung der Eingangsfrage führen kann.

Literatur:

[1] Jagd- und Wildtiermanagementgesetz (JWMG) – Vom 25. November 2014 https://www.landtag-bw.de/files/live/sites/LTBW/files/dokumente/ WP15/Drucksachen/6000/15_6132_D.pdf
[2] Wildtierbericht 2018 https://www.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/ m-mlr/intern/dateien/PDFs/Wald/Wildtierbericht_2018.pdf
[3] Wildtiere im Siedlungsraum Baden-Württembergs I (2010 – 2013) https://freidok.uni-freiburg.de/proj/4988
[4] Wildtiere im Siedlungsraum Baden-Württembergs III (2016 – 2019) https://freidok.uni-freiburg.de/proj/7451
[5] Peerenboom G., Betge, F., Janko C. und Storch, I. (2020) Wildtiermanagement im Siedlungsraum – Ein Handbuch für Kreise und Kommunen in Baden-Württemberg https://freidok.uni-freiburg.de/data/166825
[6] Gesetz zur Änderung des Jagd- und Wildtiermanagementgesetzes und des ForstBW-Gesetzes
[7] Verordnung des Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz zur Änderung der Verordnung zur Durchführung des Jagd- und Wildtiermanagementgesetzes
[8] https://www.wildtierportal-bw.de/de

Rehkitzrettung

Rehkitzrettung

Autor: Michel Lauer

In den vergangenen Jahren bekam die von Revierinhabern durchgeführte Praxis der Kitzrettung einen technischen Schub, die Drohne mit Wärmebildkamera wurde dabei zum Mittel der Wahl. Auch medial wurde dieser Einsatz durch Beiträge in den sozialen Medien sowie in Printerzeugnissen einem breiteren Publikum zugetragen.

Rehkitzrettung – Um was geht es?

Kitzrettung

Kitzrettung

Im Fokus der Bemühungen stehen das Verhindern des Ausmähens von Kitzen, also frisch gesetzten Rehen. In den ersten Lebenswochen werden diese von der Geiß gut versteckt vor Prädatoren abgelegt und nur zum Säugen und nach einigen Tagen auch für erste kleine Spaziergänge mit dem Muttertier aufgesucht. Dabei ist der fehlende Eigengeruch die Lebensversicherung für Kitze. Hochstehende Wiesen werden aufgrund ihrer Deckung und der gleichzeitigen Äsungmöglichkeit dabei bevorzugt genutzt. Neben Kitzen dienen Wiesen auch Bodenbrütern sowie Feldhasen als Kinderstube und Lebensraum.

Ein adultes Tier kann dabei dem Mähwerk des Landwirtes problemlos entkommen, während Jungtiere aufgrund des fehlenden oder spät einsetzenden Fluchtverhaltens massiv gefährdet sind, ausgemäht, also schwer verletzt oder getötet zu werden. Das Tierschutzgesetz regelt den Umgang mit Tieren im §1 wie folgt: „Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“ Weiter stellt das Gesetz in § 17 die Tötung von Wirbeltieren „ohne vernünftigen Grund“ unter Strafe. Die Erfüllung dieser Pflicht obliegt dabei dem Maschinenführer, die Wildtierrettung wird in der Praxis aber zumeist durch den Revierinhaber veranlasst. Diese ehrenamtliche Tätigkeit der örtlichen Jäger ist eine gelebte Form der Waidgerechtigkeit und des Tierschutzes.

Dabei kann es bei Anwendung aller Methoden und Wahrung höchster Sorgfalt zu einem Ausmähen kommen, kein Verfahren bietet einen hundertprozentigen Schutz. Landwirte stehen in der Ernte unter einem hohen Zeitdruck, gerade dann bietet sich eine Zusammenarbeit zwischen Revierinhabern und Landwirten an. Das gemeinsame Ziel des Tierschutzes verbindet alle Beteiligten.

Rehkitzrettung – Wie funktioniert das?

Kitzrettung

Kitzrettung

Es gibt diverse Methoden der Wildtierrettung. Die bisher am meisten praktizierte Form ist das Absuchen der Wiesen zu Fuß und / oder mit brauchbaren Hunden kurz vor der Mahd. Dabei sind die Hunde aufgrund der Temperaturen und der Samen des Bewuchses stark gefordert. Einige Hundeführer setzen daher auf Schutzbrillen für den Einsatz im teils brusthohen Bewuchs. Das Absuchen sollte angepasst an die Temperaturen mit angemessenen Pausen sowie ausreichend Trinkwasser begleitet werden.

Ein Ausspülen der Augen nach dem Hundeeinsatz mit einer Natrium-Chlorid- Lösung hilft potenzielle Reizungen der Augen zu verhindern. Mit dem Einsatz von Drohnen mit Wärmebildkamera wird die Wärmeabstrahlung durch Jungtiere genutzt. Dabei wird die Fläche in einer dem Bewuchs angepassten Höhe abgeflogen. Zum Fliegen benötigt der Pilot einen Drohnenführerschein, die Drohne selbst muss mit einer feuerfesten Plakette versehen sein, durch welche der Eigentümer verifiziert werden kann. Neben dem Drohnenpilot ist auch ein „Spotter“ nötig, da sich der Pilot ausschließlich auf das Manövrieren der Drohne konzentrieren muss. Eventuelle Hindernisse wie Bäume und Stromleitungen müssen rechtzeitig erkannt und umflogen werden.

In der Praxis sind neben Pilot und Spotter auch ein oder besser zwei Personen nötig, die gefundenes Jungwild unter Anweisung des Spotters sichern können. Für die Kommunikation haben sich hierfür Sprechfunkgeräte als unverzichtbar erwiesen. Der Einsatz der Drohne muss in den frühen Morgenstunden durchgeführt werden, da sich die Umgebungstemperatur sonst zu stark erhöht und sich somit Kitze oder Gelege im Wärmebild nicht deutlich von der Umgebung abheben.

Rehkitzrettung – Kitz gefunden – was tun?

Ob mit der Drohne oder zu Fuß- gefundenes Jungwild muss gesichert werden. Dabei stehen zwei Möglichkeiten der Sicherung zur Auswahl. Das gefundene Wild wird in eine benachbarte Fläche getragen und dort mit Bedacht an einem Ort mit ausreichend Deckung abgelegt. Dies darf aufgrund der potenziellen Geruchsübertragung nur mit frischen Einweghandschuhen durchgeführt werden.

Alternativ kann das Wild vor Ort mit einer Kiste mit ausreichend Luftlöchern gesichert werden, die für den Maschinenführer deutlich gekennzeichnet sein muss. Nach der Mahd wird die Kiste entfernt und das Jungtier kann vom Elterntier aufgesucht und abgeholt werden. Das Sichern mittels einer Kiste bietet dabei den Vorteil, dass das Jungtier an Ort und Stelle verbleibt und nicht erst vom Elterntier gesucht werden muss. Die Gefahr in der Verbringung des Jungtiers liegt in der Gefährdung einen fremden Geruch anzunehmen. Fremdgerüche führen zum Verstoßen durch das Muttertier und in der Folge dessen zum Tod. Beim Verbringen müssen zwangsweise Handschuhe und Umgebungsvegetation benutzt werden, um das Jungtier vor Fremdgeruch zu schützen.

Die im Mai und Juni überall präsenten Bilder von Kitzen in Händen von Rettern bieten leider zu häufig Anlass zur Kritik, wenn alte Handschuhe ohne Vegetation als zusätzlicher Schutz benutzt werden.

Rehkitzrettung – Vergämen – Hilfe zur Selbsthilfe?

Kitzrettung

Kitzrettung

Neben dem Aufsuchen der Jungtiere bietet sich das Vergrämen von Mahdflächen an. Dabei kann die Vergrämung durch verschiedene Methoden erfolgen. Das Aufstellen von Stäben mit frei beweglichen Müllsäcken bietet eine optische Vergrämung, bei ausreichend Wind auch eine akustische. Der Markt bietet auch Vergrämungsspray aus der Sprühdose oder Liquide zum Aufträufeln und Aufhängen in der Mahdfläche an. Weiter gibt es sogenannte „Kitzretter“, die in unregelmäßigen Intervallen verschiedene Pieptöne abgeben und eingebaute Blinklichter zusätzlich visuell für Vergrämung sorgen.

Die Kitzretter werden dabei an einem Pfosten über den Bewuchs gehängt und mit einem Akku in einer wasserdichten Plastikkiste mit Strom versorgt. Je lichter der Bewuchs, desto größer die Reichweite des einzelnen „Kitzretters“. Ziel der Vergrämung ist es, dass vor allem Geißen ihre Kitze aus der vergrämten Fläche herausführen. Bei beiden Methoden ist ein gewisser zeitlicher Vorlauf nötig und der Landwirt muss sich an den geplanten Mähtermin halten. Die Gefahr bei einem zu frühen Aufstellen der Scheuchen oder Rehkitzretter ist ein Gewöhnungseffekt, so dass Kitze in der Mahdfläche wieder abgelegt werden.

Kitzrettung Praxis in Hessen

In der Praxis haben sich Kombinationen aus Flächenvergrämung und dem Absuchen mit Drohne oder zu Fuß als äußerst effektiv erwiesen. Eine Drohne samt Wärmebildkamera bedeutet eine nicht unerhebliche finanzielle Investition. Seit Juli 2021 setzt der Natur- und Wildtierschutzverband Hessen e.V. eine vom BMEL geförderte Drohne vom Typ Yuneec Typhoon H520E ein. Diese Drohne steht allen Mitgliedern in Hessen zur Verfügung, die über eine entsprechende Lizenz verfügen. Die Haftpflicht- und Vollkaskoversicherung übernimmt der Verband. Aktuell befinden sich Herr Carmelo Chila und Herr Christian Dern im nördlichen Rhein-Main-Gebiet im Einsatz und fliegen ehrenamtlich für unterschiedliche Revierinhaber.

Erfolge der Kitzrettung?

Die Kitzrettung wirft bei verschiedenen Institutionen Fragen auf. So hat die Regierung Oberbayern im Oktober 2021 alle bayrischen Jagdbehörden um eine Stellungnahme gebeten, wie mit der hohen Zahl der geretteten Kitze hinsichtlich der Abschussplanung umzugehen sei. Grund hierfür war eine Meldung des Bayrischen Jagdverbandes, dass in der Mähsaison 2021 in Bayern über 90.000 Kitze gerettet und gemeldet wurden. In direkter Folge schalteten verschiedene Initiativen ihre Meldeportale ab.

Der Gedanke, den Abschussplan um gerettete Kitze zu erhöhen ergibt keinen Sinn. Ausgemähte Kitze werden auf den Abschussplan angerechnet, die Dunkelziffer kann durch eine Kontrolle nach der Mahd minimiert werden. Vor dem Mähtod bewahrte Kitze befinden sich daher schon auf dem Abschussplan. Die Grundlage für jegliche jagdliche Bewirtschaftung eines Reviers sollte der Zustand der Population in Zahl und Konstitution sowie die Einbeziehung von Wildschäden auf Grundlage von Gutachten sein. Der Versuch den Abschussplan für Rehwild mit dem Argument der Kitzrettung zu erhöhen ist ein Hohn für alle freiwilligen Kitzretter. Diese engagieren sich ehrenamtlich, um dem

Rehkitzrettung Rhein-Neckar e.V.

Rehkitzrettung Rhein-Neckar e.V.
Ein Erfolgsmodell
Autor: Christoph Maetz & Martina Löber

Die meisten von uns werden diese unschöne Erfahrung schon gemacht haben. Auf Reviergang nach der Mahd finden wir bedauerlicherweise von den Messern des Mähwerks, verstümmelte Rehkitze. Im schlimmsten Fall sind die Tiere noch am Leben und Leiden unter starken Schmerzen. Einen Schuldigen zu suchen ist müßig und ändert nichts an dem Geschehenen. Doch es führte Anfang 2020 zu der Idee, ein eigenes Projekt zur Jungwildrettung auf die Beine zu stellen.

Nach einem Informellen Treffen mit einem Dutzend Jäger und Jagdpächtern, wurde im Juni 2020 der Verein Rehkitzrettung Rhein-Neckar e.V. gegründet. Was als eine Initiative von Jägern begann, sollte kein Heimspiel bleiben, wir wollten immer auch andere Interessensgruppen in das Projekt mit einbinden. So gehörten zu den ersten Mitgliedern nebst Jägern auch Privatpersonen, Vertreter des NABU und die Bürgermeisterin der Stadt Gaiberg! Durch gute Kontakte des Vorstands, als auch unermüdliche Mundpropaganda, konnten wir in den ersten Monaten so viele Spenden akquirieren, dass wir uns zum Saisonstart 2021 die erste Drohne und das zugehörige Equipment für ca. 8000 Euro kaufen konnten.

Rehkitzrettung Rhein-Neckar e.V.Durch Werbung innerhalb der Jägerschaft, eine gute Zusammenarbeit mit dem Landschaftserhaltungsverband und dem Bauernverband konnten wir damit in die Saison starten. Ziemlich schnell zeigte sich, dass ein Team nicht ausreicht, um die Anfragen abzudecken. Deshalb musste rasch eine zweite Drohne her. Das Ergebnis sprach für sich selbst: Es gelang uns im ersten Jahr bereits 84 Rehkitze zu retten, wir flogen dafür ca. 445 ha Fläche ab. Zum diesjährigen Start konnten wir uns dann noch eine dritte Drohne anschaffen, grade rechtzeitig, um am 27. April die Saison 2022 einzuläuten.

Der typische Einsatz beginnt mit einem Anruf – meist melden sich dazu Landwirt oder Jäger via Telefon oder E-Mail in unserer Zentrale. Je früher, desto besser können wir planen. Die Einsätze werden dann via WhatsApp Gruppen an unsere Helfer weitergeleitet, die sich je nach Verfügbarkeit, örtlicher Nähe und Ausbildung zurückmelden. Wir stellen mindestens zwei Personen vor Ort und sind auf die Präsenz des Jagdpächters und/oder Landwirts angewiesen. Diese müssen uns die Flächen zeigen, damit diese kartiert werden können. Die Kartierung (kann auch vorab geplant werden) ermöglicht es dem Piloten die Flächen automatisiert abzufliegen.

Rehkitzrettung Rhein-Neckar e.V.Wenn ein Kitz geortet wurde, wird ein Helfer per Funk zur Stelle navigiert. Immobile Kitze (< 14 Tagen) werden aus der Wiese getragen. Dabei ist entscheidend, dass kein menschlicher Geruch auf das Tier übertragen wird. Daher verwenden wir Handschuhe und oder dicke Büschel Grass, um das Kitz zu bergen. An einem sichern Ort, (außerhalb der Mähfläche) wird das Kitz abgelegt und gegebenenfalls mit einer Box gesichert. Bereits mobile Kitze werden aus der Wiese getrieben und der Landwirt darauf aufmerksam gemacht. Hierbei sieht man, wie wichtig es ist, dass der Landwirt bei unseren Einsätzen anwesend ist.

Es hat sich auch gezeigt, dass wir auch erfolgreich Brücken schlagen konnten, wenn Jäger und Landwirte gemeinsam vor Ort agieren. Es stellt sich dann schnell in Gesprächen heraus, dass wir alle dasselbe Ziel haben und führt oft zu einem besseren Verständnis füreinander. Unser Konzept von einem „offenen“ Verein hat sich bewährt. Vielen Mitgliedern konnten wir Jäger die Zusammenhänge in der Natur verdeutlichen und ihnen neue Perspektiven zu einem besseren Verständnis unserer Kulturlandschaft aufzeigen. Unserer Meinung nach ist es zusammen mit dem Projekt „Lernort Natur“ die beste Möglichkeit, die Jagd in der Breite der Gesellschaft positiv darzustellen.

Zum Stichtag 15. Juni 22 haben wir bereits eine Fläche von 750 ha abgeflogen und damit 201 Kitze gerettet. Die Arbeit vor Ort summierte sich auf 471 ehrenamtliche Personeneinsatzstunden, Fahrtzeiten und Kosten nicht eingerechnet. Wie alle gemeinnützigen Vereine sind deshalb auch auf freiwillige Mithilfe angewiesen. Für die kommenden Monate planen wir verstärkte Öffentlichkeitsarbeit, auf Informations-, Hegering- und naturschutznahen Veranstaltungen zu präsentieren, Ferienprogramme zu begleiten und die Printmedien zu verbessern. Weiterhin müssen wir weitere Piloten ausbilden und werden uns eine vierte Drohne anschaffen.

Weitere Informationen zu unserem Verein findet ihr im Web unter: http://rehkitzrettung-rhein-neckar.de/ oder in unseren Instagram & Facebook Kanälen! Hilf mit beim Leben retten!

Revierplätze attraktiver machen – das Wild im Revier halten / verwöhnen

Autor: Christian Naschke, Jäger und Jagdaufseher

Revierplätze attraktiver machen – das Wild im Revier halten / verwöhnenWie es immer so ist, kommen die besten Ideen immer in einer geselliger Runde von Mitjägern. So saßen wir mal wieder zusammen und überlegten uns, wie man doch am besten das Wild im Winter unterstützen kann bzw. wie man sinnvoll, mit Beachtung der geltenden Rechtsvorschriften, möglichst kostengünstig kirren kann. Hierbei war es für uns natürlich immer wichtig, dass dies stets nur eine Ergänzung darstellen sollte.

Natürlich wurden von uns im Vorfelde auch Verbesserungen des Lebensraumes durchgeführt, die immer noch den Schwerpunkt darstellen. Hierzu zählen die üblichen Arbeiten wie das Anlegen von Wildäckern und Obstbaumwiesen etc. Eine gute Möglichkeit, dass Wild zu verwöhnen und Plätze im Revier attraktiver zu machen, kam von einem Jäger aus Göttingen. Dieser stellte mit wenig Aufwand und Kosten sogenannte selbsternannte Kirrkuchen her, die es auch im Fachhandel für teures Geld zu kaufen gibt. Was mir bei der Variante besonders gefiel, war die Flexibilität bei der Herstellung und die unterschiedlichen Möglichkeiten, die man hat, den Kirrkuchen auf die jeweilige Wildart abzustimmen.

Revierplätze attraktiver machen – das Wild im Revier halten / verwöhnenWie es in Norddeutschland so üblich ist, wurde daher nicht lange geschnackt, sondern es wurde sich einfach an die Arbeit gemacht. ie es immer so ist, kommen die besten Ideen immer in einer geselliger Runde von Mitjägern. So saßen wir mal wieder zusammen und überlegten uns, wie man doch am besten das Wild im Winter unterstützen kann bzw. wie man sinnvoll, mit Beachtung der geltenden Rechtsvorschriften, möglichst kostengünstig kirren kann. Hierbei war es für uns natürlich immer wichtig, dass dies stets nur eine Ergänzung darstellen sollte. Natürlich wurden von uns im Vorfelde auch Verbesserungen des Lebensraumes durchgeführt, die immer noch den Schwerpunkt darstellen. Hierzu zählen die üblichen Arbeiten wie das Anlegen von Wildäckern und Obstbaumwiesen etc.

Eine gute Möglichkeit, dass Wild zu verwöhnen und Plätze im Revier attraktiver zu machen, kam von einem Jäger aus Göttingen. Dieser stellte mit wenig Aufwand und Kosten sogenannte selbsternannte Kirrkuchen her, die es auch im Fachhandel für teures Geld zu kaufen gibt. Was mir bei der Variante besonders gefiel, war die Flexibilität bei der Herstellung und die unterschiedlichen Möglichkeiten, die man hat, den Kirrkuchen auf die jeweilige Wildart abzustimmen. Wie es in Norddeutschland so üblich ist, wurde daher nicht lange geschnackt, sondern es wurde sich einfach an die Arbeit gemacht.

Revierplätze attraktiver machen – das Wild im Revier halten / verwöhnenNeben den bildlich dargestellten Zutaten (4 Packungen Puderzucker / Bruchmais 700 Gram / 80 Gramm Gemisch aus Eicheln / halbes Glas Wasser und einer Silikonform) wird hierzu nichts weiteres benötigt. Ich kippte daher den Puderzucker in einem großen Kochtopf (der Topf sollte lieber zu groß als zu klein sein) und führte zunächst ein wenig Wasser ein. Dann verrührte ich den Inhalt zu einer Masse, die große Ähnlichkeit mit Tapetenkleister hatte. Anschließend wurde diese Masse zum Kochen gebracht. Hierbei wurde die Masse flüssiger. Anschließend wurden die gewünschten Zutaten hinzugeben.

Ich verwende hierzu gerne Bruchmais, da dieser kleiner ist und sich daher leichter verarbeiten lässt. Auch kann es bei normalem Mais passieren, dass durch das Erhitzen am Ende Popcorn herauskommt. Was auch nicht schlimm wäre, aber naja! Wichtig ist, dass die Masse dann gut verrührt wird. Anschließend wird die Masse dann in eine Silikonform hineingekippt. Hier ist zu beachten, dass die Masse, die daneben geschüttet wird, nicht mit der bloßen Hand berührt werden sollte. Es besteht aufgrund des stark erhitzten und zerlassenen Zuckers, der auch noch an den Fingern klebt, eine Verbrennungsgefahr.

Revierplätze attraktiver machen – das Wild im Revier halten / verwöhnenWenn sich die Masse dann in der Form befindet, sollte diese dann ein wenig in die Form gepresst werden. Ihr werdet euch wundern, wie schnell die Masse hart wird. Nach ca. einen Tag des Trocknens, stelle ich die Form auf den Kopf (Öffnung der Form nach unten), warte ein paar Minuten (eventuelle noch vorhandene Flüssigkeit zieht dann in den Kuchen ein) und ziehe dann die Silikonform einfach ab. Spätesten beim Herausnehmen des Kirrkuchens aus der Form, macht sich die Wahl einer Silikonform bezahlt, da diese die Entnahme doch stark erleichtert. Wie auf den Bildern zu sehen, können auch reine Bucheckern -, Maiskirrkuchen hergestellt werden.

Der zeitliche Aufwand beläuft sich in der Herstellung auf ca. 10 Minuten pro Kuchen. Die Kosten für den Puderzucker halten sich in Grenzen und er Rest kann auch aus den Revier entnommen werden (natürlich bis auf den Mais). Meine Erfahrungen, die sich auf ca. 6 Monate belaufen sind echt super.

Revierplätze attraktiver machen – das Wild im Revier halten / verwöhnenDie Kuchen werden komplett verzehrt. Ich erneure diese ca. alle 3 Wochen. Zu beachten wäre allerdings, dass man die verwendeten Zutaten für die Wildart wählt, die man bekirren möchte. Ein letzter Tipp wäre noch, dass der Kirrkuchen dann im Revier mit Magie behandelt wird. Dieses wirkt auf das Wild sehr anziehend.

Ich wünsche allen „Viel Spaß “ beim Ausprobieren!!! In diesem Sinne !
Waidmannsheil!!

 

Leitartikel 01/2022

 

Svend Jürgensen

 

Liebe Mitglieder des BDJV,
das Jahr 2021 liegt hinter uns.

Ich hatte den Eindruck, dass es für die Jagd kein einfaches Jahr war:

  • sich abzeichnende politische Veränderungen, die mit Rufen nach der Verschärfung des Waffenrechts einhergingen;
  • die sich in den ländlichen Gegenden zuspitzende Wolfsthematik und demgegenüber die gleichbleibende Sympathie für die ungehinderte Ausbreitung des Wolfes bei Bewohnern städtischer Lebensräume;
  • die aufgrund von Covid-19 zunehmende Zahl von Wanderern und Radlern in den Jagdrevieren, die neben dem letztjährigen extrem starken Bodenbewuchs die Jagd erschwerten.

 

Schon dank dieser Unannehmlichkeiten gestaltete sich das Jahr 2021 jagdlich teilweise unerfreulich. Dazu gesellte sich Anfang 2022 nun auch noch ein wirklich dramatisches Ereignis: die Ermordung der 2 Polizisten in Kusel durch einen Wilderer, der leider mal ein Jäger war. Letzteres wird nun massiv genutzt, die Stimmung gegen die Jägerschaft unsachlich anzuheizen und legalen Waffenbesitz in Frage zu stellen. Es wird mit Desinformationen, mit bewusst falschen Begrifflichkeiten, Verdrehungen und schlichter Hetze in diesem Zusammenhang gearbeitet.

Bedrückend ist, dass auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen sich dafür hergibt und bereits vor dem Vorfall „Report Mainz“ in einer November-Sendung zu Schieß-Events vollkommen unsachlich über die Möglichkeit berichtete, als Gastschütze auf Schießständen zu schießen. Dabei wurde krampfhaft versucht, einen Zusammenhang mit Amokläufen herzustellen. Nach den abscheulichen Polizisten-Morden sucht „Report-Mainz“ nun auf Internet-Plattformen nach Menschen, die von Jagdunfällen betroffen waren oder von Jägern bedroht wurden. Das beides rein gar nichts miteinander zu tun hat, weil Unfall und Bedrohung sich schon in der rechtlichen Qualität deutlich unterscheiden, ist für Journalisten offenbar unerheblich. Das sind bedenkliche Versuche, uns als Jäger zu kriminalisieren.

Sie könnten zudem als Rechtfertigung von Übergriffen durch Jagdgegner dienen. Es ist also an der Zeit, dass wir genauestens auf mögliche Gesetzgebungsvorhaben achten und diesen Tendenzen gemeinsam entgegen treten. Ich möchte daher an dieser Stelle Euch alle bitten, zu schauen, wie wir in unserem Bereich der Jagdaufseher, aber auch der Jägerschaft, eine Einheit für die Jagd bilden können und in der Jagdpolitik geschlossen, nicht zerstritten und jagdneidisch, in Erscheinung treten. Ich würde daher im Hegemeister gern Raum bieten, dass sich jagdpolitische Organisationen mit ihren Zielen und Hintergründen vorstellen können.

Wenn Ihr Vereine kennt, die sich für die Jagd engagieren, dann ladet sie dazu ein, sich vorzustellen. Der Hegemeister sollte künftig auch ein Forum für die Vernetzung Gleichgesinnter aus den Bereichen Jagd-, Schieß- und Waffenwesen werden. Liebe Freunde, passt auf Euch auf. Die Tätigkeit, die die Polizisten in Kusel ausgeübt haben, ist häufig die von Jagdaufsehern. Gewiss ist das nicht Alltag, aber es zeigt, dass wir nicht nur eine verantwortungsvolle, sondern auch gefahrgeneigte Tätigkeit ausüben.

Waidmannsheil!

Euer Svend Jürgensen