Damwild auf Borkum

von Christian Fink

Jonny Böhm (links) und Christian Fink (rechts)

Jonny Böhm (links) und Christian Fink (rechts)

Das Damwild auf Borkum ist 2013 im Zuge eines Forschungsprojektes zur Minderung der Verbuschung auf der Insel in einem Versuchsgatter ausgesetzt worden. Ursprung hierbei ist eine Idee des Umweltministeriums, das hierfür ursprünglich Rotwild einsetzen wollte. Ziel sollte sein konkurrenzschwache Pflanzenarten zu fördern und den Charakter des Offenlandes zu erhalten bzw. wiederherzustellen. Die Borkumer Jäger hatten dieses seinerzeit abgelehnt und stattdessen u.a. aus Sicherheitsgründen für Damwild plädiert. Diesem Einwand wurde stattgegeben und es wurden daraufhin 10 weibliche Stücke Damwild beschafft und im Gatter angesiedelt.

Der Standort und die Größe des Gatters (ca. 2 ha.) wurden einvernehmlich mit der Nationalparkverwaltung abgestimmt. Diese Fläche stellte eine repräsentative „Problemfläche“ mit starker Gehölzentwicklung mit zum Teil gebietsfremden Pflanzenarten dar. Die Gatterung sollte vom 01.03.2013 bis zum 30.09.2013 erfolgen. Vegetationsuntersuchungen wurden durch den Nationalpark während der Testphase von einem durch den NP „unabhängigen“ beauftragten Gutachter durchgeführt. Nach Abschluß dieser „Pilotphase“ sollte das Damwild freigelassen werden und in einem weiterführenden 12 jährigen Projekt über den Nutzen dieser Tiere als Landschaftspfleger geforscht werden. Die Erkenntnisse des beauftragten Gutachtens genügten der Nationalparkverwaltung aber einer Freilassung nicht zuzustimmen.

Laut diesem hatte die Gatterbeweidung einen signifikant negativen Einfluß auf die Vitalität der Strauchschicht was negativ wie positiv zu sehen sei. Die Beweidung hat zu einer Verjüngung von Gehölzen geführt aber auch zu einer Verarmung von Kräutern. Diese Aussagen lagen allerdings einer Beweidung von 5 Tieren pro ha. zu Grunde. Die Gutachter stellten ausdrücklich fest, dass die Beweidung mit einer extrem hohen Beweidungsdichte stattgefunden hatte. Bei einer Anzahl von 50 Stücken Damwild würde dieses bei einer Inselfläche von 3000 ha. eine Beweidungsdichte von 0,018 Tiere pro ha. ergeben und zu anderen Aussagen kommen. Aufgrund dieser „Erkenntnisse“ sollten die Tiere wieder von der Insel verbracht und das Gatter bis zum 31.12.2013 abgebaut werden. Wir nehmen an, dass Aufgrund der Beliebtheit des Damwildes in der Bevölkerung, dann im Dezember unbekannte Personen das Damwildgatter zerstört haben.

Die Tiere verteilten sich danach relativ schnell auf der ganzen Insel. Fangversuche mittels kleinerer Fanggatter, sowie betäuben scheiterten kläglich. Die Jagdpächter als Eigentümer erklärten das Damwild hierauf als „Herrenlos“. Die Nationalparkbehörde wollte dieses aber nicht akzeptieren und so wurde Ende 2014 ein gerichtlicher Vergleich geschlossen, dass wenn das Damwild nicht von der Insel zu verbringen ist ein Abschußplan von der unteren Jagdbehörde zu erstellen sei. Ziel war, das verbliebene Damwild durch Bejagung möglichst bald gänzlich zu beseitigen. Diese Abschußpläne haben die Borkumer Jäger in der Vergangenheit immer erfüllt! Nun muss man aber schlussfolgern das das Damwild auf der Insel eine hohe Reproduktionsrate hat. Das wird unter anderen an der guten und reichlich vorhandenen Äsung liegen, sowie an geeigneten ruhigen Einständen. Im Dezember 2020 kam es Corona bedingt zu einer Videokonferenz mit Vertretern der unteren Jagdbehörde, des Umweltministeriums, des Landwirtschaftsministeriums, des Kreisjägermeisters und Vertretern der Nationalparkbehörde.

Nicht dazu geladen war ein Vertreter der Borkumer Jäger. Man spricht scheinbar lieber „über“ als mit uns. Solch ein Vorgehen kennen wir aus der Vergangenheit bei denen im Einzelfall von Besprechungen ferngeblieben wurde, weil wörtlich „zu viele Insulaner“ zugegen wären. Die Nationalparkbehörde hat uns unterstellt dass wir die Abschußpläne nicht einhalten und falsche Zahlen an die Behörden melden würden. Nun soll mittels behördlichen Drucks unter Androhung von Berufsjägern oder Polizeijagden der Abschuß beschleunigt werden. Durch Drohnenflüge soll der Wildbestand ermittelt werden und die Abschußpläne angepasst. Wir als Inseljäger sind über die Behauptungen, sowie die Vorgehensweise der Behörden empört und sehen auch potenzielle Gefahren einer verschärften Bejagung.

In der Sommersaison halten sich bis zu 30.000 Gäste auf der Insel auf. Das Gelände ist sehr unübersichtlich, überall gibt es versteckte Pfade und Wanderwege. Die Gefahr eines „verirrten“ Schusses unter Druck und oder nicht vorhandenen Kugelfang sind nicht von der Hand zu weisen. Gerade ein ortsfremder Jäger wäre hier allein auf sich gestellt, völlig überfordert. Wir legen Wert auf eine schonende und vor allem sichere Jagd. Zum anderen sind wir der Meinung dass nach 8 Jahren freilebendes Damwild auf der Insel, eine neue Bewertung stattfinden sollte. Die Tiere haben mitnichten einen signifikant negativen Einfluß auf die Inselflora! Dieses würde ein neuerliches Gutachten sicherlich bestätigen.

Es würde völlig ausreichen den Bestand weiterhin kleinzuhalten als auf eine Ausrottung durch krampfhaft übertriebene Bejagung zu setzen. Andere Nordseeinseln haben seit Jahrzehnten einen festen Damwildbestand, zumal es dort aufgrund der Festlandnähe und Niedrigwasser sogar auf „natürliche“ Weise vorkommt. Wir denken dass hinter der ablehnenden Haltung keine naturschutzfachlichen Aspekte stehen, sondern es scheinbar ideologisch begründet ist.

bdjv-admin