Leitartikel 03/2021 – Keine leichten Zeiten

 

Svend Jürgensen, Vorsitzender des BDJV

Svend Jürgensen, Vorsitzender des BDJV

Svend Jürgensen

 

Liebe Mitglieder!

Die neuen Jagdzeiten sind da.

Die Bockjagd ist in Brandenburg und Sachsen ab 16. April, in Niedersachsen sogar ab dem 1. April erlaubt. Wie schön waren doch die Zeiten, als wir uns am 1. Mai auf die Bockjagd freuten und sie am 15. Oktober beendeten und dem Bock und uns eine angemessene Ruhephase gönnten. Aber nun meinen die Waldeigentümer, wir bräuchten den April mit seiner niedrigen Vegetation – Adlerfarn und Traubenkirsche sind noch nicht gewachsen – um mit freier Sicht auf das Wild die gewünschte intensive Bejagung zu beginnen.

An die Bejagung nach Ende Oktober haben wir uns gerade gewöhnt, wenngleich es nicht unumstritten blieb. Zwar konnte die weitere Bejagung der Böcke die Anzahl der Schonzeitvergehen gerade bei Drückjagden vermindern, weil die Verwechslungsgefahr nach dem Abwurf der Stangen sich nicht auswirken konnte. Aber ist es wirklich im Interesse der Waidgerechtigkeit, wenn wir das ungenaue Ansprechen förderten? Den Waldbesitzern kam es jedenfalls zu gute. Alles was sich in den letzten Jahren bei den Jagdzeiten geändert hat, hatte jedenfalls nur ein Ziel: die Aufzucht ökonomisch effektiv nutzbaren Waldes zu sichern.

Es geht nicht um den Wald als ökologisches System, das allen, insbesondere der Umwelt zugute kommen kann und sich deshalb auch mit einem angemessenen Wildbestand verträgt, reguliert und existieren würde. Wald vor Wild – ich sage nein. Der Weg muss vielmehr Wald mit Wild sein. Und nochmals möchte ich klarstellen, dass wir keine Schädlingsbekämpfer sein wollen. Aktuell ist es schwierig, Veränderungen durchzusetzen. Gesetzgebungsverfahren finden zunehmend ohne die Einbeziehung der Fachleute hinter verschlossenen Türen statt. Corona verhindert persönlichen Austausch und sachliche Diskussionen.

Die Geschwindigkeit der Durchsetzung von ständig neuen Verordnungen und Gesetzen ist bemerkenswert. Gesetze werden mit rasendem Tempo und wie mir aus anderen Bereichen berichtet wird ohne ausführliche Konsultation von Experten beschlossen und enthalten immer wieder auch Eingriffe in sachlich damit nicht verbundene Regelungsmaterien. Große Schritte scheinen daher für uns nicht sinnvoll. Vieles gestaltet sich kleinteiliger. Kleine, aber sichere Schritte sind gefragt. Wer sich Unmögliches vornimmt ist womöglich zum Scheitern verurteilt. Gleichzeitig ergeben sich auch in der Jagdbranche erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen.

So berichtete mir gerade ein Händler, dass ihm etwa 300 Jungjäger als Kunden fehlen. Die wirtschaftlichen Schäden sind noch nicht absehbar, aber werden erheblich sein. Der Jägernachwuchs ist auf die Warteposition gedrängt, denn viele Jägerschaften können mangels hinreichender Erfahrung mit Online-Unterricht nicht ausbilden. Auch diese Auswirkungen werden sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Die Gesamtsituation ist nicht leicht für das Jagdwesen. Und in solchen Krisen gibt es nur einen Weg, der uns sichert als Interessenverband wahr- und ernstgenommen zu werden und um unsere Mitgliedsverbände angemessen unterstützen zu können: zusammenhalten, konstruktiv diskutieren und sachlich kritisieren.

Alles andere führt zu einer Grüppchenbildung und Selbstzerfleischung eines Verbandes, die es in einer Krise zu vermeiden gilt. Krisen sind die Zeiten derjenigen, die spalten wollen, sie sind manchmal die Chance der Profilneurotiker, die hoffen, die Irrungen und Wirrungen für eigene Interessen nutzen zu können. In Zeiten der Krise gilt es, denjenigen, die durch unsachliche Äußerungen den Zusammenhalt gefährden, entgegenzutreten und sich auf die wesentlichen Aufgaben zu konzentrieren.

Persönliche Angriffe sind keinesfalls geeignet, die anstehenden Aufgaben zu lösen. Kritik ist wichtig, sie gehört zu jedem funktionierenden System, aber sie muss ehrlich sein und dazu gehört vor allem, dass sie nicht Selbstzweck ist und erst durch verdrehte Tatsachendarstellungen versucht Kritikpunkte zu konstruieren, die in Wirklichkeit nicht existieren. Niemand benötigt Effekthascher a la Trump, die mit Fakenews und der Hoffnung möglichst dümmliche Zuhörer in großer Zahl als Unterstützer zu finden kurzfristige, aber wenig nachhaltige Siege erringen.

Bleibt gesund und Waidmannsheil!

Euer Svend Jürgensen

 

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