Rehkitzrettung Rhein-Neckar e.V.

Rehkitzrettung Rhein-Neckar e.V.
Ein Erfolgsmodell
Autor: Christoph Maetz & Martina Löber

Die meisten von uns werden diese unschöne Erfahrung schon gemacht haben. Auf Reviergang nach der Mahd finden wir bedauerlicherweise von den Messern des Mähwerks, verstümmelte Rehkitze. Im schlimmsten Fall sind die Tiere noch am Leben und Leiden unter starken Schmerzen. Einen Schuldigen zu suchen ist müßig und ändert nichts an dem Geschehenen. Doch es führte Anfang 2020 zu der Idee, ein eigenes Projekt zur Jungwildrettung auf die Beine zu stellen.

Nach einem Informellen Treffen mit einem Dutzend Jäger und Jagdpächtern, wurde im Juni 2020 der Verein Rehkitzrettung Rhein-Neckar e.V. gegründet. Was als eine Initiative von Jägern begann, sollte kein Heimspiel bleiben, wir wollten immer auch andere Interessensgruppen in das Projekt mit einbinden. So gehörten zu den ersten Mitgliedern nebst Jägern auch Privatpersonen, Vertreter des NABU und die Bürgermeisterin der Stadt Gaiberg! Durch gute Kontakte des Vorstands, als auch unermüdliche Mundpropaganda, konnten wir in den ersten Monaten so viele Spenden akquirieren, dass wir uns zum Saisonstart 2021 die erste Drohne und das zugehörige Equipment für ca. 8000 Euro kaufen konnten.

Rehkitzrettung Rhein-Neckar e.V.Durch Werbung innerhalb der Jägerschaft, eine gute Zusammenarbeit mit dem Landschaftserhaltungsverband und dem Bauernverband konnten wir damit in die Saison starten. Ziemlich schnell zeigte sich, dass ein Team nicht ausreicht, um die Anfragen abzudecken. Deshalb musste rasch eine zweite Drohne her. Das Ergebnis sprach für sich selbst: Es gelang uns im ersten Jahr bereits 84 Rehkitze zu retten, wir flogen dafür ca. 445 ha Fläche ab. Zum diesjährigen Start konnten wir uns dann noch eine dritte Drohne anschaffen, grade rechtzeitig, um am 27. April die Saison 2022 einzuläuten.

Der typische Einsatz beginnt mit einem Anruf – meist melden sich dazu Landwirt oder Jäger via Telefon oder E-Mail in unserer Zentrale. Je früher, desto besser können wir planen. Die Einsätze werden dann via WhatsApp Gruppen an unsere Helfer weitergeleitet, die sich je nach Verfügbarkeit, örtlicher Nähe und Ausbildung zurückmelden. Wir stellen mindestens zwei Personen vor Ort und sind auf die Präsenz des Jagdpächters und/oder Landwirts angewiesen. Diese müssen uns die Flächen zeigen, damit diese kartiert werden können. Die Kartierung (kann auch vorab geplant werden) ermöglicht es dem Piloten die Flächen automatisiert abzufliegen.

Rehkitzrettung Rhein-Neckar e.V.Wenn ein Kitz geortet wurde, wird ein Helfer per Funk zur Stelle navigiert. Immobile Kitze (< 14 Tagen) werden aus der Wiese getragen. Dabei ist entscheidend, dass kein menschlicher Geruch auf das Tier übertragen wird. Daher verwenden wir Handschuhe und oder dicke Büschel Grass, um das Kitz zu bergen. An einem sichern Ort, (außerhalb der Mähfläche) wird das Kitz abgelegt und gegebenenfalls mit einer Box gesichert. Bereits mobile Kitze werden aus der Wiese getrieben und der Landwirt darauf aufmerksam gemacht. Hierbei sieht man, wie wichtig es ist, dass der Landwirt bei unseren Einsätzen anwesend ist.

Es hat sich auch gezeigt, dass wir auch erfolgreich Brücken schlagen konnten, wenn Jäger und Landwirte gemeinsam vor Ort agieren. Es stellt sich dann schnell in Gesprächen heraus, dass wir alle dasselbe Ziel haben und führt oft zu einem besseren Verständnis füreinander. Unser Konzept von einem „offenen“ Verein hat sich bewährt. Vielen Mitgliedern konnten wir Jäger die Zusammenhänge in der Natur verdeutlichen und ihnen neue Perspektiven zu einem besseren Verständnis unserer Kulturlandschaft aufzeigen. Unserer Meinung nach ist es zusammen mit dem Projekt „Lernort Natur“ die beste Möglichkeit, die Jagd in der Breite der Gesellschaft positiv darzustellen.

Zum Stichtag 15. Juni 22 haben wir bereits eine Fläche von 750 ha abgeflogen und damit 201 Kitze gerettet. Die Arbeit vor Ort summierte sich auf 471 ehrenamtliche Personeneinsatzstunden, Fahrtzeiten und Kosten nicht eingerechnet. Wie alle gemeinnützigen Vereine sind deshalb auch auf freiwillige Mithilfe angewiesen. Für die kommenden Monate planen wir verstärkte Öffentlichkeitsarbeit, auf Informations-, Hegering- und naturschutznahen Veranstaltungen zu präsentieren, Ferienprogramme zu begleiten und die Printmedien zu verbessern. Weiterhin müssen wir weitere Piloten ausbilden und werden uns eine vierte Drohne anschaffen.

Weitere Informationen zu unserem Verein findet ihr im Web unter: http://rehkitzrettung-rhein-neckar.de/ oder in unseren Instagram & Facebook Kanälen! Hilf mit beim Leben retten!

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